12.2.2017, Fotscher Express

12.2.2017, Fotscher Express

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An einem stark frequentierten Wochenende wie diesem sind Brainstorms das A und O um eine lässige Tour mit gut Schwüngen zu erwischen. Da man auf den „Großen“ weiter Richtung Hauptkamm durch den wenigen, oft aufbauend umgewandelten Schnee (Durchsacken!) auf den Steinhalden noch nichts wirklich lässiges machen kann, hab ich Flex angerufen und gefragt, ob er mit mir den Fotscher Express macht. Denn auf dieser Route sind mehr Almrosen als Steine. Im Ernst, die Überlegung ist folgende: Dort sind nicht viele Leute unterwegs, alle Anstiege außer der erste auf den Roten Kogel liegen in der (Nachmittags-) Sonne, man findet sicher noch einiges an Pulver und langsam sollte ich mal wieder eine weitere Tour machen als immer nur die Standardsachen. So haben wir ein extra lässiges Tagl bei traumhaften Bedingungen erlebt.

Folgende Zeilen stammen von meiner ersten Begehung vom März 2016:

Wie die Lampsen mittlerweile als „Mutter aller Modeskitouren“ bezeichnet wird, kann man den Fotscher Express als Mutter aller weiten Skirunden in unserer Gegend nennen. Durch das erstmalige Verwenden des Wortes „Express“ beim Fotscher haben die langen Runden ebenfalls fast alle den „Express“ in ihrer Bezeichnung, ähnlich wie die Bayern ihre langen Skitouren als „Reibn“ bezeichnen. Der Fotscher Express war in Zeiten von Lederschuh und Kandahar DIE Prestige-Tour für ambitionierte Tourengeher im Großraum Innsbruck. Ich habe ihn schon vor einigen Jahren anhand von Erzählungen kennengelernt und mittlerweile mit einer Hand voll Urgesteine des Tourensports über ihn gesprochen. Eines steht fest: Der Fotscher Express ist in den Köpfen jedes alten Tourelers vorhanden und mit persönlichen Erfahrungen behaftet. ALLE haben ihn einmal gemacht, alle!

Über die Route habe ich verschiedene Infos bekommen, als Roter Faden zieht sich immer der Rote Kogel (vom Fotscher oder von Praxmar startend) gefolgt vom Schafleger, Hoadl, Birgitzköpfl und Abfahrt nach Mutters durch. Teilweise gibt es Erweiterungen und Abänderungen der Route.

 

Seitdem der Sellrainer Georg Jäger auf Initiative der Bergsteigerdörfer des Sellraintales mit der Erforschung der Alpingeschichte des Sellraintales begonnen hat, gibt es hier aufbereitete Informationen. Der ursprüngliche Fotscher Express war ein Skitourenrennen von der Skihütte im Fotschertal über Schafleger, Hoadl, Birgitzköpfl mit Ziel im Gasthof Lärchenwald in Mutters. Mit Holzski, Seehundfellen und Kandahar.

Ausschnitt zum Fotscher Express:

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Mehr Informationen entnommen aus dem Portal Carto.net – reinschauen lohnt sich dort immer.

Das Schileistungsabzeichen, von Gerd Ebster. ~. Der Schiexpress... als Wertungslauf! Zeitungsmeldung... das regt auf! Die Auslagscheibe fast verbogen, wird beim «Möchl»... 's ein Graus, fast gestürmt wird dieses Haus! Jeder zur Meldung drängt. dass am Abzeichen man kennt, welche Leistung er vollbracht, als er den «Express» gemacht. Und am Samstag... welch ein Treiben. Gedräng' im Auto... daß kunnst speiben! ~. Dann Brettl schultern... weiterhatschen. zur Fotscher Hütt'n... in den Latschen.

Kaum verschnauft, gibt's Bindungssorgen, Kavaliere... Skiwachs borgen, und vom heißen Ofenrand, stinken Fäustling'... angebrannt! ~. Verlangt wird kräft'ge Leibeskost, die «Midl» wie der Ofen glost, sie stärkt die Mägen dieser Recken, die sich dann bald auf's Lager strecken. Es wird geschnarcht und auch geträumt, daß das Hüttendach sich bäumt! ~. Kaum im Osten wird's dann hell, zieht man auf die Seehundsfell', nimmt zu sich was einem frommt, daß dann nicht der Hunger kommt. Unerschüttert zeigt sich nur, mehr der Starter mit der Uhr! Jeder bind't sich um die Nummer. Einem macht das Schuband Kummer, doch dann ist auch das in Butter, in den Hosensack kommt's Futter. ~. Dann zieh'n sie los, im Gänsemarsch, in einer Spur, durch Bruch und Harsch. Der Schafleger macht sie pfundig schwitzen, jedoch die Abfahrt kühlt die Hitzen. Doch mancher zeigt trotz "Hose Keil", ein weißvereisrtes Hinterteil.

Schikanonen... Temposchwünge, aber auch noch Anfangsgründe, Stemmschwunghutschen... Nabelrutschen... Gar mancher reißt an mordstrum Stern, hinterher hat man's nicht gern! ~. Und so wird die Alm erreicht, von Kemanten, und einer, der dabei erbleicht, der schreit ganz wütend: das ist dumm, ich glaub, ich wäre schon in Lizum! ~. Jetzt kommt der Hoadl, der verfluchte, steil aufwärts geht's... und Spuren suchte, wer weniger steil gestiegen lieber, die Haxen krieg'n schon Muskelfieber! ~. Am Honig leckt der Bär, der braune, der Läufer... an gedörrter Pflaume. Die Sonne brennt, es schmilzt der Schnee, die ganze Krax'n tut schon weh! Und als man keuchend oben steht, da hat der Wind den Schnee verweht. ~. Jetzt schnell herunter mit den Fellen, und über Stein- und Bodenwellen, geht's wieder niederwärts in's Tal, in die Lizum, in diesem Fall. ~. Dann kommt der dritte Aufstiegshang, zum Birgitz! Manchem ist schon bang, ob reicht die Zeit zum «Supergold», und ob ihm bleibt der Schigott hold! Indessen zittern ihm die Waden, er denkt sich still: Bua, des sein Schaden! ~. Nun ist's geschafft, versorgt wird schnell, das hundsgetreue Seehundfell.

Ein Blick noch auf die Armbanduhr, und eilig lenkt man seine Spur, in schon bekannteres Gelände, damit die Fahrt ihr Ende fände! ~. Vorbei geht's an der Mutt'rer Alm, die ohne Küh' und ohne Kalb'n, ruhig liegt in Wintersonnenglanz, umdrängt von einen ganzen Schwanz, von schibewehrten Abfahrtsläufern, die alle nach dem Tale eifern. ~. Durch dieses tolle Schigedränge, und glatt vereiste Abfahrtshänge, muß man nun seinen Weg sich suchen, kein Wunder, daß sie bärig fluchen, nach abgehetzter Leistungsfahrt! Nur schade, daß dies Zeit nicht spart. ~. Inzwischen hat man doch erreicht, den Lärchenwald... die Lunge keucht, jedoch das Herz vor Freude schwellt, als man die Schi beiseite stellt! ~. Verschwitzt und ohne Luft sie kamen, zum Ziel, zu nennen ihre Namen, und freudig wird dabei vernommen, in welchen Zeiten sie erklommen: Schafleger - Hoadl - Birgitz gar, und wer dabei der schnellste war. ~. So ging zu End' die Wertungsfahrt, ein «Tolm» ist, wer mit Beifall spart. Und stolz trägt mancher nun voll Lust, das Leistungszeichen an der Brust! Schi Heil !

Die Fotscher Skihütte war der Ausgangspunkt für den «Fotscher Express», der zum letzten Mal 1969 ausgetragen wurde. Es ging über 16km, 2100m Anstieg und 2700m Abfahrt über Schafleger, Kemater Alm, Hoadlsattel, Axamer Lizum, Birgitzköpfl und Mutterer Alm zum Gasthof Lärchenwald in Mutters. Die Tabelle zeigt Zeitobergrenzen für die Abzeichen Bronze, Silberm, Gold und Super-Gold anhängig von den Kategorien 20-32 Jahre, 32-40 Jahre 40-50 Jahre und «Damen». «Ausländer» erhalten «1 Stunde Zugabe». Die Tafel ist mit Tuschestiften und Schablonen gezeichnet, sie stammt vermutlich aus der Zeit nach dem letzten Rennen.

Das Abzeichen bildet eine Schneefocke ab, in der Mitte befindet sich das Wappen des SKI (Skiklub Innsbruck). Die Fotscher Skihütte war der Ausgangspunkt für den «Fotscher Express», der zum letzten Mal 1969 ausgetragen wurde. Es ging über 16km, 2100m Anstieg und 2700m Abfahrt über Schafleger, Kemater Alm, Hoadlsattel, Axamer Lizum, Birgitzköpfl und Mutterer Alm zum Gasthof Lärchenwald in Mutters. Silber erhielt man je nach Kategorie für Zeiten zwischen 5h30 und 6h45.
Das Abzeichen bildet eine Schneefocke ab, in der Mitte befindet sich das Wappen des SKI (Skiklub Innsbruck).

 

Wir sind bei wenig Schnee also auf den Roten Kogel:

Aflinger Alm
Aflinger Alm

 

Roter Kogel
Roter Kogel
schwacher Föhn am Himmel sichtbar über Zischgeles und Lampsen
schwacher Föhn am Himmel sichtbar über Zischgeles und Lampsen
Blick zu Schafleger (2) - Hoadl (3) und Saile (4)
Blick vom Roten Kogel zu Schafleger (2) – Hoadl (3) und Saile (4)

Bei Traumpulver in den Fotscher hinunter:

Abfahrt Roter Kogel
Abfahrt Roter Kogel
Schafleger
weiter zum Schafleger

Bei Pulver und Windbruch (Senders ist das einzige Seitental der Sellrainer wo der Föhn wirkt, weil nach Süden nicht anständig abgeschlossen) zur Kemater Alm:

Abfahrt Schafleger
Abfahrt Schafleger
lieber einen 96mm Ski und eine geile Abfahrt als ein Rennlattl und im gesamten 40 Minuten schneller
lieber einen 96mm Ski und eine geile Abfahrt als ein Rennlattl und im gesamten 40 Minuten schneller

Und bei firnähnlichem Schnee in der angenehmen Nachmittagssonne weiter zum Hoadl rauf:

Aufstieg Hoadl
Aufstieg Hoadl

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vom Hoadl zurückgeschaut
vom Hoadl zurückgeschaut

Und über die grausige Piste – bis jetzt hatten wir ja viel Pulver – hinunter in die Lizum:

Weiter geht's von der Lizum aufs Birgitzköpfl
Weiter geht’s von der Lizum aufs Birgitzköpfl
Bigitzköpflhaus
Bigitzköpflhaus

Am Birgitzköpflhaus ist Flex direkt zum wohlverdienten Bier, ich bin noch über den Sommerweg auf die Saile rauf und war kurz vor Sonnenuntergang oben:

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Innsbruck
Innsbruck
letzter Gipfel für heute: Saile
letzter Gipfel für heute: Saile
Inntal wieder in braun
Inntal wieder in braun

 

In der Mayerrinne lag leider nur komplett grundloser Steinpulver und ich bin in der Abenddämmerung bei Flex in Götzens angekommen (wir sind diesmal nicht nach Mutters runter) von wo aus er mich nach Praxmar zu meinem Auto gefahren hat.

Mehr Fotos mit Menschen drauf auf der Skitouren Tirol Seite.

 

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