17.3.2016, Fotscher Express

Wie die Lampsen mittlerweile als „Mutter aller Modeskitouren“ bezeichnet wird, kann man den Fotscher Express als Mutter aller weiten Skirunden unserer Gegend nennen. Durch das erstmalige Verwenden des Wortes „Express“ beim Fotscher haben die langen Runden ebenfalls fast alle den „Express“ in ihrer Bezeichnung, ähnlich wie die Bayern ihre langen Skitouren als „Reibn“ bezeichnen. Der Fotscher Express war in Zeiten von Lederschuh und Kandahar DIE Prestige-Tour für ambitionierte Tourengeher im Großraum Innsbruck. Ich habe ihn schon vor einigen Jahren anhand von Erzählungen kennengelernt und mittlerweile mit einer Hand voll Urgesteine des Tourensports über ihn gesprochen. Eines steht fest: Der Fotscher Express ist in den Köpfen jedes alten Tourelers vorhanden und mit persönlichen Erfahrungen behaftet. ALLE haben ihn einmal gemacht, alle!

Über die Route habe ich verschiedene Infos bekommen, als Roter Faden zieht sich immer der Rote Kogel (vom Fotscher oder von Praxmar startend) gefolgt vom Schafleger, Hoadl, Birgitzköpfl und Abfahrt nach Mutters durch. Teilweise gibt es Erweiterungen und Abänderungen der Route. Seitdem der Sellrainer Georg Jäger auf Initiative der Bergsteigerdörfer des Sellraintales mit der Erforschung der Alpingeschichte des Sellraintales begonnen hat, gibt es Infos hier.

Ausschnitt zum Fotscher Express:

AVPageView 17.03.2016 230803Also ursprünglich ein Tourenrennen, zuletzt durchgeführt 1969! Wahnsinn, oder? Heute schafft man die Durchführung eines Rennens aus verschiedensten Gründen nicht mehr.

Also ambitionierter Tourengeher liegt es natürlich auf der Hand, dass man ihn heutzutage auch gegangen sein sollte. Zwar wären mir für heute einige lässigere Runden eingefallen, aber da man sehr steil nordseitig noch etwas zurückhaltender sein sollte, südseitig weder Firn noch Pulver liegt und ich meine „halbsteilen“, nordexponierten „Geheimtouren“ alle schon zig mal gemacht hab, bin ich ihn heute kurzentschlossen angegangen. Außerdem ist er bei solchen Verhältnissen sowieso feiner zu gehen – bei klassischen Frühjahrsverhältnissen mit einem markanten Gefahrenanstieg ab dem späteren Vormittag ist das mit der Zeiteinteilung bezüglich Aufstieg zum Hoadl wegen der sehr tief gelegenen, steilen Südhänge oberhalb der Kemater Alm ein Krampf.

Bin also vom Moos-Parkplatz auf den Sömen, hinüber zum Roten Kogel, bei super Pulver bis zur Abzweigung Potsdamer – Furgges. Über die Furgges auf unregelmäßiger Spur auf den Schafleger. Danach bei erst Pulver, dann viel Windpress zur Kemater Alm hinunter. Zuerst hab ich nicht verstanden, warum bei der Abfahrt vom Schafleger anfangs zwei Top-Pulverhänge warteten und es darauf nur mehr Windbruch bis zur Waldgrenze gab. Hab eine Weile gebraucht, bis mir endlich eingefallen ist, dass das Senders das einzige Tal der Sellrainer Berge ist, in dem der Föhn auch bei schwächerer Ausprägung durchgreift – gestern ging ja kurz der Föhn. Und auf den obersten Hängen stehen die Gipfel zwischen Schwarzhorn und Schafleger dem Südwind entgegen und schützen somit den oberen Bereich. Von der Kemater Alm bin ich in der Nachmittagssonne bei 10cm eingeweichtem Triebschnee (ebenfalls vom Südwind gestern) auf tragender Unterlage auf’s Hoadl hinauf. Bin dann ein paar Minuten bei Windstille und angenehmer Temperatur oben beim Kreuz gehockt – hinter mir der Après-Ski, vor mir die Schönheit der Sellrainer – und hab mir gedacht:“Wenn ihr nur wüsstet, wie schön es abseits eines Skigebietes ist. Da, wo ich grad herkomm.“ Über die Damen Abfahrt bin ich in die Lizum, auf einer firnigen Buckelpiste hinauf zum Birgitzköpflhaus und zum Schluss auf einer, bereits nach Frühjahr richenden, Kunstschneepiste nach Mutters. Dort bin ich von der Talstation noch ins Dorf hinunter spaziert (beim ursprünglichen Fotscher Express gab es natürlich noch kein Skigebiet, die Lifte in der Axamer Lizum kamen erst Anfang der 60er Jahre und in Mutters sowieso erst viel später, er ging also mit ziemlicher Sicherheit ganz ins Dorf hinunter), wo mich mein Vater abgeholt hat.

Weil ich erst um viertl nach Zehn weggekommen bin, hab ich stücklweise Gas gegeben und hab mich dann auch gefreut, die gesamte Tour in 6 Stunden und 42 Minuten hinter mich gebracht zu haben :-)

Der Rote Kogel hat bis in die 1960er übrigens als „schönste Skitour Tirols“ gegolten – vom Fotschertal aus, wohlgemerkt. Unverstellbar, hm? Mit dem Material von damals aber nachvollziehbar.

Für mich ist der Kamm vom Windegg zum Roten Kogel und von Salfeins bis zum Schafleger wie die Kitzbühler der Stubaier Alpen: eigentlich uninteressante Hügel, auf denen man halt als Einheimischer oben gewesen sein muss, die sich dafür bei heiklen Verhältnissen immer wieder als Ausweichmöglichkeit anbieten.

Die Schneequalität ist momentan expositionsabhängig, weil die Luft auch in tiefen Lagen nicht besonders warm ist.

Praxmar
Praxmar
Schatzi grüßt
Schatzi grüßt
gewaltig viel Schnee auf den Westhängen am Roten Kogel
gewaltig viel Schnee auf den Westhängen am Roten Kogel
am Sömen, Blick zum Roten Kogel
am Sömen, Blick zum Roten Kogel

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Sömen
Sömen
Schöntal
Schöntal
Abfahrt Roter Kogel
Abfahrt Roter Kogel
kurz vor der Potsdamer
kurz vor der Potsdamer
hab viel guten Pulver gefunden unterm Kastengrat
hab viel guten Pulver gefunden unterm Kastengrat
vom Schafleger zum Hoadl
vom Schafleger zum Hoadl
vom Schafleger, Blick zurück
vom Schafleger, Blick zurück
Südwind hat gestern gearbeitet
Südwind hat gestern gearbeitet

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aber nur im unteren Teil
aber nur im unteren Teil
wie hier
wie hier

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gleich am Hoadl
gleich am Hoadl

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Unfalllawine vom
Unfalllawine Malgrubenspitze
Birgitzköpfl vom Hoadl
Birgitzköpfl vom Hoadl
letzter Aufstieg
letzter Aufstieg
vom Birgitzköpfl zurück zum Hoadl
vom Birgitzköpfl zurück zum Hoadl
nach Innsbruck
nach Innsbruck
Abfahrt nach Mutters
Abfahrt nach Mutters
Patscherkofel
Patscherkofel

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Fotos vom 16.3.:

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auf Oberflächenreif
auf Oberflächenreif

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Aria genießt 1200hm
Aria genießt 1200hm
astreinen Pulver
astreinen Pulver

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in Abfahrt und Aufstieg
in Abfahrt und Aufstieg

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vorher
vorher
nachher
nachher
müde nach soviel Powdern :-)
müde nach soviel Powdern :-)

snowprofilemarch

 

 

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3 Gedanken zu “17.3.2016, Fotscher Express

  1. Hallo Lukas,
    kennst Dich sehr gut aus und berichtest immer sehr sachlich!
    Kleine Anmerkung zum Fotscher Express oder Innsbruck Express: die Muttereralm Seilbahn hat es bereits seit 1953 gegeben, nicht erst viel später wie Du schreibst.
    Die Abfahrt folgte von Mutters herunter bis zu der Ferrariwiese, wo viele Innsbrucker Kinder das Skifahren erlernten.
    Sonnige Grüß und noch viele unfallfreie Skitouren
    Bernhard

  2. dei schatzi griasst und af meinigen worsch nit oben :-(…sie isch beleidigt soll i da sogn :-P !!!
    gratuliere zu Fo-Ex, taugt ma !! :-)

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