7.7.2015 | Sellrainer Hüttenrunde In einem Zug

7.7.2015 | Sellrainer Hüttenrunde In einem Zug

Lesezeit: 11 min

Gestern Nachmittag ist mir spontan wieder die Hüttenrunde in den Sinn gekommen. Sie ist mir im vergangenen Herbst – auf der Suche nach Sommerrunden, die als idealen Einstieg in die „richtig weiten“ Sachen dienen könnten – ins Aug gestochen. So hab ich mir die Strecke nochmal durch den Kopf gehen lassen und mich schnell entschlossen, sie heute zu probieren:

Um viertl vor Vier ging es vom Bergheim in Richtung Potsdamer. Auf halber Strecke zwischen Hütte und Hochgrafljoch konnte ich die (sogar im schwächsten Modus) verdammt helle Lupine abdrehen. Vorbei an einigen, noch ruhenden und ziemlich verdutzt schauenden („Was macht denn der schon hier?“), Viehgruppen war ich genau bei Sonnenaufgang am Hochgrafljoch.

Ohne Leibele zu wechseln oder eine Jacke drüberzuziehen, ging es gleich weiter Richtung Lisens. Im letzten Stück vor dem Talboden hab ich eine Gruppe junger, nördlicher Nachbarn erschreckt, die wohl nicht damit gerechnet haben, dass ihnen um diese Uhrzeit jemand bergab entgegenkommt. Bei der Längentalalm war ich wieder in der Sonne und das Westfalenhaus stand auch bald vor mir. Weiter geht es zur Schöntalspitze, wo ich kurz pausiert hab. Die Schneefelder am ehemaligen Zischgenferner waren sehr angenehm zu gehen. Jetzt war auch die Pforzheimer nicht mehr weit. Dort hab ich kurz geschaut, wie es den Spanier Hennen aus meiner Zucht – die seit kurzem für einen Teil der Eierversorgung der Hütte verantwortlich sind – dort oben taugt.

Auf’s Gleirschjöchl lief es ziemlich flott. Oben hab ich nur für die „Rundenzeit“ auf die Uhr gedrückt und bin gleich im Laufschritt weiter zur Gubener, begleitet von den eigenartigen Blicken der am Jöchl rastenden Gruppe :-)

Hinter der Gubener hab ich den halben Wecken Brot gegessen und die zweite Pause eingelegt. Die Hitze beim Anstieg zum Hochreichkopf war gut erträglich. Unterhalb der Hochreichscharte liegen noch riesige, zusammenhängende Schneefelder. Deswegen bin ich dort da einzige mal von der geplanten Route abgewichen und direkt über die Südflanke und den Ostgrat auf den Gipfel. Oben extrem warm (3000m) und richtig fein.

Nach kurzer Pause ging es über den – steil ins Ötztal abfallenden – Wilhelm Oltrogge Weg zur Niederreichscharte und über den Lauser, vorbei an Hochbrunnach, Längentaler Turm, Wechnerkogel und Acherkogel zur Alten Bielefelder Hütte, die 1951 bis auf die Grundmauern verlehnt ist. Dabei bin ich fast auf eine perfekt getarnte Scheehuhn-Mami getreten, die genau am Weg saß und wegen mir von ihrem, wenige Tage alten (im Juli!?), Nachwuchs aufhüpfen musste. Zum Glück hab ich schnell geschalten und bin gleich weiter (obwohl die Versuchung zu fotografieren sehr groß war) um sie nicht noch mehr von den Küken wegzutreiben. Unterhalb des Acherkogels war wegen der Steiganlage und den steil abfallenden Seiten Richtung Tumpen nochmal Konzentration gefordert.

Bald war ich dann in Hochötz, wo viele Gleitschirme die perfekt-thermischen Bedingungen nutzten und noch mehr Wanderer die Fahrwege säumten. Vorbei an Bielefelder Hütte, Kühtaile- und Balbach Alm ging es endlich raus aus den Menschenmassen.

Am Eingang zum Wörgetal hab ich mich nochmal auf eines der Bankln gehockt, den Rest vom Brot gegessen und die feinen Temperaturen genossen, bevor ich über den Knappenweg zur Mittergrathütte und weiter zum Stausee bin. Erstaunlicherweise muskulär noch richtig fit (wahrscheinlich wegen der Unmengen an Kalorienaufnahme unterwegs, für meine Verhältnisse, normal esse ich ja nur bei weiten Sachen und dann auch nur ein oder zwei Riegel), dafür von der Konzentration her ziemlich geschlaucht, bin ich schließlich nach 13 Stunden und 28 Minuten bei der Dortmunder angekommen.

 

Tagesanbruch am Weg zum Hochgrafljoch, im Bild die Hohe Villerspitze
Tagesanbruch am Weg zum Hochgrafljoch, im Bild die Hohe Villerspitze
Sonnenaufgang am Hochgrafljoch, Blick durch den Fotscher
Sonnenaufgang am Hochgrafljoch, Blick durch den Fotscher
Lisener Villerspitze
Lisener Villerspitze

P1050398

Blick ins Schöntal
Blick ins Schöntal
Fernerkogel
Fernerkogel
Westfalenhaus
Westfalenhaus
Längental, Seeblaskogel
Längental, Seeblaskogel
Blick zur Zischgenscharte und Schöntalspitze
Blick zur Zischgenscharte und Schöntalspitze
Schöntalspitze und Grubenwand
Schöntalspitze und Grubenwand
weiterweg zur Pforzheimer, Gleirschtal
weiterweg zur Pforzheimer, Gleirschtal
Nochmal Längental mit dem höchsten Bergkamm der Gemeinde St.Sigmund
Nochmal Längental mit dem höchsten Bergkamm der Gemeinde St.Sigmund
Grubenwand und Reste Zischgenferner
Grubenwand und Reste Zischgenferner
hinteres Gleirsch
hinteres Gleirsch
meine ehemaligen Damen haben nun einen feschen Appenzeller Spitzhauben Herren an ihrer Seite
meine ehemaligen Damen haben nun einen feschen Appenzeller Spitzhauben Herren an ihrer Seite
Gleirschjöchl
Gleirschjöchl
vom Gleirschjöchl zum Zwieselbacher Grieskogel
vom Gleirschjöchl zum Zwieselbacher Grieskogel
Blick ins hintere Zwieselbachtal
Blick ins hintere Zwieselbachtal
Hochreichkopf und Gubener
Hochreichkopf und Gubener
Weiterweg von der Gubener zum Hochreichkopf
Weiterweg von der Gubener zum Hochreichkopf
Plattkögel + Sulzkogel
Plattkögel + Sulzkogel
letztes Stück am Ostgrat zum Gipfel
letztes Stück am Ostgrat zum Gipfel
Schneefelder im Horlacher Steinkar
Schneefelder im Horlacher Steinkar
Hochreichkopf
Hochreichkopf
Blick durchs Längental nach Kühtai
Blick durchs Längental nach Kühtai
schmeckt!
schmeckt!
Niederreichscharte und Weiterweg
Niederreichscharte und Weiterweg
Blick zur Hohen Warte
Blick zur Hohen Warte

P1050512

Blick zurück von der Hohen Warte, klein mittig: Hochreichkopf
Blick zurück vom Lauser, klein mittig: Hochreichkopf
Kollegen drehen über dem Wechnerkogel auf, hab eine Weile zugeschaut, da gab es anständige Steigwerte!
Kollegen drehen über dem Wechnerkogel auf, hab eine Weile zugeschaut, da gab es anständige Steigwerte!
Hohe Warte
Lauser
im Osterkarkessel, links Längentaler Turm und Hochbrunnach
im Osterkarkessel, links Längentaler Turm und Hochbrunnach

P1050534

gleich bei der alten Bielefelder Hütte. mittig Wörglgratspitz und Mittertaler Scharte
gleich bei der alten Bielefelder Hütte. mittig Wörglgratspitz und Mittertaler Scharte
Alte Bielefelder
Alte Bielefelder
Maningkogel und Acherkogel
Maningkogel und Acherkogel
Neue Bielefelder
Neue Bielefelder
Weiterweg durch Hochötz
Weiterweg durch Hochötz
links Pirchkogel
links Pirchkogel
nicht mehr weit
nicht mehr weit
Mittergrathütte, Blick nach Kühtai
Mittergrathütte, Blick nach Kühtai
im Mittertal
im Mittertal
Längentaler Stausee
Längentaler Stausee
Finish.
Finish.

 

Allgemeines zur Tour

Stöcke: unmöglich sowas ohne zu machen, zumindest für mich. Außerdem ist man im Aufstieg, bei gleicher Anstrengung, um einiges schneller.

Kompressionssocken: zum ersten mal probiert (bevor sie im Kasten vergammeln), bringt subjektiv gesehen wirklich viel. Oder nur Placebo-Effekt? Egal.

Sonnencreme: Vor allem für’s Gnagg.

Hitze: Heute ja neue Rekordtemperatur in Innsbruck mit 38,2°C. Auch Koglalm mit 23°C und Lampsen Gipfel (2875m) mit 19°C rekordverdächtig. Für mich: Eher Vorteil! Sehr angenehm, vor allem am Morgen und auf den Jöchern/Gipfeln, da man nie Leibele wechseln oder Jacke anziehen musste und bei den Abstiegen nie auskühlt. Zwischen Hochreichkopf und Acherkogel waren die thermischen Aufwinde derart stark, dass die gefühlte Temperatur grade recht war…

Verpflegung: bei mir: 1 Wecken Schwarzbrot. 8 Corny Big Riegel. 2 Mannerschnitten. So 7 – 8 Liter Wasser, längste Strecke ohne Auffüllmöglichkeit: Horlacher Steinkar bis  Acherkogel.

Pausen: wichtig für die Gelenke! Kurz hinhocken und Füße komplett erschlaffen lassen. Spür jetzt einen Tag gar nichts, nicht einmal ein Zwicken. Aber nicht zu lang, sonst kommt man wieder schwer rein…

Richtung der Runde: Start wär bei der Dortmunder genauso gut möglich, vor allem, weil man für den teils ausgesetzten Steig zwischen Acherkogel und Hochreichkopf noch mehr Konzentration hätte, aber das ewig lange Flachstück zwischen Hochgrafljoch und Bergheim wollte ich nicht am Ende haben. Man könnte sie natürlich auch „schließen“ indem man von Kühtai wieder zum Bergheim zurückgeht…

Höhenprofil:

Routenplanung mit dem outdooractive-Tourenplaner - Mozilla Firefox 06.07.2015 215412Weil ich Richis Angaben zu seinen Höhenwegrunden sehr interessant gefunden habe, hier auch die meinen:

Ort Uhrzeit Ankunft Gehzeit vom letzten Wegpunkt Pause ca.
Bergheim Fotsch 03:45
Potsdamer 04:37 52‘
Hochgrafljoch 05:44 67‘
Lisens 06:38 54‘
Westfalenhaus 07:36 58‘
Schöntalspitze 08:26 50‘ 10‘
Pforzheimer 09:33 57‘
Gleirschjöchl 10:08 35‘
Gubener 11:01 53‘ 15‘
Hochreichkopf 12:38 1h22‘ 10‘
Am Lauser / Hohe Warte 13:38 50‘
Neue Bielefelder 15:20 1h42‘
Eingang Wörgetal 16:19 59‘ 10‘
Dortmunder 17:13 44‘

 

Übersichtsfotos:hüttenrunde hüttenrunde2 hüttenrunde3

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2 Gedanken zu “7.7.2015 | Sellrainer Hüttenrunde In einem Zug

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