Die Lehren der Altschnee-Winter oder: "Was ich nicht sehen kann, gibt es doch!"

Die Lehren der Altschnee-Winter oder: "Was ich nicht sehen kann, gibt es doch!"

Lesezeit: 4 min

Aus der Vergangenheit lernen

Altschneeprobleme gab es schon immer. Aber erst seit wenigen Jahren werden die Lawinensituationen in spezifische Kategorien eingeteilt und von seiten der Lawinenwarndienste so kommuniziert die gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen und immer wieder ähnlich auftreten können: die Lawinenprobleme.

Die Saisonen 2014/15, 2015/16 und 2016/17 waren in weiten Teilen der Alpen von massiven, bodennahen Altschneeproblemen gekennzeichnet. In allen drei Wintern gab es schneearme Frühwinter und dadurch massive, aufbauende Umwandlung. Das ist der Bildungsprozess von Schwachschichten in der Altschneedecke. Der Frühwinter 14/15 war zwar nicht extrem schneearm, aber gekennzeichnet von einigen hochreichenden Regenereignissen. Dadurch bilden sich Schmelzkrusten auf der Schneeoberfläche und im Bereich dieser Schmelzkrusten findet – vor allem wenn Schönwetterphasen direkt darauf folgen – verstärkt aufbauende Umwandlung statt. Die Frühwinter 15/16 und 16/17 waren in den Stubaier Alpen nahezu ident. Nach ein, zwei Schneefällen im Herbst gab es wochenlang keinen Niederschlag und erst nach Neuhjahr ist richtig Winter geworden. Dadurch konnte sich weiter oben schattseitig der Schnee halten und massiv zu einem bodennahen Schwimmschneefundament umwandeln. Im Jänner, Feber und bis in den März hinein konnte man in diesen beiden Wintern in keine Schattenhänge oberhalb von ca. 2000 m hineinfahren. Fast drei Monate lang! Und wer es doch tat, setzte sich einem massiven Risiko aus.

Altschneeproblem – das heimtückische Lawinenproblem

Das Altschneeproblem ist das einzige der fünf Lawinenprobleme das man nicht an der Schneeoberfläche erkennen kann.

Erfahrene Wintersportler kommen dadurch am häufigsten in Altschneelawinen ums Leben.

Zeit, dem entgegenzuwirken.

Einige Artikel die aus diesen Wintern heraus entstanden sind

„Wenn ein Triebschneeproblem eine Art gefährliches Schachspiel ist, bemisst die Gefahrenstufe das Können des Gegners. Je nach dem mag der Gegner gut sein, auch unbezwingbar, aber er hält sich an gewisse Regeln. Ein Altschneeproblem hält sich im besten Fall an andere Regeln, im schlechtesten Fall an gar keine. Das Spiel ist weniger wie Schach und mehr wie russisches Roulette. Und die Gefahrenstufe ist die Anzahl der Kugeln im Magazin. […] 

Und ich traue mich nicht hin, weil mir eindrücklich klar geworden ist, dass mittelmäßiges Schachkönnen nicht ausreicht, um im russischen Roulette zu gewinnen.“

„Der kurze und heiße Flirt = Lawinenlagebericht reduzieren auf die Gefahrenstufe. Die Langzeitbeziehung = Den kompletten Lawinenlagebericht anwenden. Jede gute Beziehung entwickelt sich vom „Kennenlernen“ (dem Verstehen von Gefahrenstufe und Lawinengefahr) über den „ersten Flirt“ (der Reduktionsmethode) hin zur „Langzeitbeziehung“ (dem physikalisches Prozessverständnis).“ 

„Der Schneedeckenaufbau wirkt sich direkt auf das Risiko aus: bei ungünstigem Aufbau (ausgeprägtes Altschneeproblem) ist das Lawinenrisiko 50 % höher als bei gleicher Gefahrenstufe, aber anderem Lawinenproblem. Dieser höhere Wert rührt vor allem von der Gefahrenstufe 3 („erheblich“) her: Dort war das Risiko bei Altschnee-Situationen sogar doppelt so hoch wie bei den anderen Gefahrenquellen.“

 

 

Freie Berge: Altschnee – gefährlich bis zum Schluss (Kristian Rath)

SchneeGestöber: Die Höhenabgrenzungen im Lagebericht

SchneeGestöber: Die essentiellen Unterscheidungen

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3 Gedanken zu “Die Lehren der Altschnee-Winter oder: "Was ich nicht sehen kann, gibt es doch!"

  1. Stimme zu 100%. Die Warnstufe alleine ist zu wenig. Die Historie davor ist entscheidend für die Planung und das Verhalten. Ganz toll diesbezüglich ist der BLOG des LWD, bei dem ja auch Lukas mitarbeitet, für mich als Skitoureninstruktor unerlässlich. Und noch was, hinaus ins Gelände, man bekommt ein Gefühl für die Verhältnisse.

    lg
    Martin

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