März 2020 – Letzte Skitouren vor Corona-Quarantäne

März 2020 – Letzte Skitouren vor Corona-Quarantäne

Lesezeit: 8 min

Nach dem Sturm-Feber folgten Anfang März ein paar nette Pulvertage mit tiefen Temperaturen.

Aber der 29.02. war noch vom gefühlten Dauer-Sturm im Feber gekennzeichnet. Immer wieder lustig und interessant: Im Englischen ist „storm“ die Bezeichnung für einen starken Schneefall und hat wenig mit dem Wind zu tun.
Ausgekehrte Nordflanken heuer mal wieder. Weniger Schnee drinnen als sonst im Frühherbst…

Pulvertage bis zum 10.03.

Klassisch für Schneefälle ab März: Viele, kleine, trockene Lockerschneelawinen gehen sofort ab.
Aria liebt Spuren
Aber hasst Kälte.
Zwieselbacher

:-)

Kurzfilm: Aria die Maschine
 

Stubacher Sonnblick
Rudolfshütte
Da soll noch einer sagen, das Sellrain wär so stark frequentiert…

Ganz frischer Triebschnee von letzter Nacht, tiefe Temperaturen, perfektes Wetter, Sonntag.

Regen am 10./11.03. bis 2300 m

Am 10./11.03. hat es nach einem intensiven Schneefall stark geregnet und der ganze schöne Neuschnee war tiefer unten wieder weg. Bis 2300 m war die Schneedecke anschließend nass. Bis zumindest 2500 m oberflächlich feucht. Das hat einiges an Bruchharsch in Schattenhängen hinterlassen. Sonnseitig gab es dafür kurz danach den ersten, guten Firn der Saison.

Wasser vom Regen staut sich an harten Schichten in der Schneedecke. 11.03.2020
Bruchharsch der wohl übelsten Sorte.
Man erkennt auch an den Flüssen im Winter den kurzfristigen Anstieg des Durchflusses bei einem Regenereignis. In diesem Fall die markanten Regenereignisse vom 02./03.02., 23./24.02. und vom 10./11.03.
Regen bringt viel Lockerschnee, Gleitschnee (Foto) und oft auch Schneebrettlawinen. Dieses Mal war alles dabei.

 

Erster, gscheider Firn der Saison vor dem Lockdown.

Während des Regens kam es zu zahlreichen Lockerschneelawinen aus Steilhängen aller Expositionen und vor allem an Süd- und Südosthängen (dort wo sich am meisten Triebschnee durch den NW-Wind gebildet hatte) gingen die frischen Triebschneepakete durch die wärmebedingt oberflächliche Verfestigung/Brettbildung als Schneebrettlawinen ab. Viele klassische Lawinenstriche, Rinnen und steile Flanken sind nun mit Ablagerungen gefüllt oder von eisigen Rutschbahnen überzogen.

Die besten Tourentage des Jahres in Quarantäne?

Durch die teils nur mäßige Schneequalität kann man dadurch die womöglich besten Tourentage der Saison derzeit eh nicht adäquat nutzen… Für anspruchsvolle Abfahrten gibt es neben der Lawinengefahr eben noch andere, genau so wichtige, „limitierende Faktoren“: Ein Faktor davon ist die Tagesverfassung des Fahrers, ein anderer aber vor allem die Schneequalität! Bruchharsch darf es partout nicht sein. „Hart“ ist zwar machbar aber es muss zumindest griffig und regelmäßig sein. Nicht vereist und unregelmäßig mit tiefen Furchen.

Objektiv gesehen risikooptimiert und skifahrerisch lässig gibt es aber besseres. Wirklich schön und sinnvoll für anspruchsvolle Abfahrten ist nur fluffiger Pulver, gesetzter aber noch weicher Pulver oder butterweicher Firn.

Der Blick aus dem Fenster und auf den Lawinenreport lassen die Mundwinkel quarantänebedingt nach unten gehen. Aber die Schneequalität ist eh über weite Bereiche nur mäßig gut.

 

Schneearme Saison?

Seit Jänner bewegt sich die Schneehöhe in Kühtai immer um den Durchschnitt.

Bei uns ist die Saison nach wie vor im Durchschnittsbereich in Sachen Schneemenge. Oberhalb von etwa 1500 m zumindest. Darunter ist sie unterdurchschnittlich und erst unterhalb von etwa 1200 m gab es den ganzen Winter fast gar keinen Schnee. Ich wohne auf 1530 m, starte bei 95% meiner Touren über 1600 m und frage mich immer, warum man im Internet über die ganzen Meldungen dieser anscheinend so katastrophal schneearmen Wintersportsaison stößt.

 

Die Gebiete im Alpenvorland und in den inneralpinen „Hügelregionen“ haben eine bittere Saison hinter sich. Für die Zukunft wird noch viel mehr „Höhe ist Trumpf“ gelten. Oder wie es unser Tourismusverband sagt: „Kühtai ist unser Gletscher.“

Und jetzt im März wundere ich mich noch mehr über die Bilder aus dem Flachland und Inntal, wo alles so grün ist wie bei uns erst im Juni. Irgendwie bekommt man das gar nicht so mit, wenn man sich großteils in folgendem Gebiet aufhält:

Aktuelles Sentinel-Satellitenbild vom 17.03.2020. Inntal im Norden, Sellrainer Berge im Süden. Primärer Hochwinter-Bewegungsradius Lukas in rot.

Ok, doch. Man bekommt es schon mit. Und zwar, wenn uns ganz Bayern flutet. So wie es diese Saison an fast jedem Wochenende war. Das gab es in den letzten beiden Wintern nicht. Ganz krass war es auch 2013/14 (extremer Südstauwinter) wo es nördlich vom Inn praktisch gar keinen Schnee gab.

Auch bei uns schmilzt der Schnee bei den hohen Temperaturen mit strahlendem Sonnenschein natürlich. Vor allem halt tiefer unten in steilen, besonnten Hängen.

Schneeschmelze vor allem in tiefen Lagen auch im Sellrain. Derzeit liegt die Schneegrenze in steilen Südhängen bei etwa 1900 m, in Schattenhängen bei etwa 1100 m und im Flachen etwa bei 1400 m. Der Unterschied zwischen Südhängen und Nordhängen liegt im „Normalfall“ bei maximal 500 m. 800 m Unterschied ist ziemlich viel. Außerdem merkt man ab etwa 2300 m in allen Expositionen einen starken Sprung in der Schneehöhe. Denn es hat mehrmals in diesem Winter bis ca. zu dieser Höhengrenze stark geregnet.

Und zum Schluss noch ein Clip der letzten „Mission“:

So wie es aussieht, gibt es für lange Zeit oder sogar für die gesamte Restsaison keinen Skitoureneintrag und keinen SchneeReport mehr. Aber die Berge laufen uns ja nicht davon. Und ich schreib derweil noch ein paar SchneeGestöber und sonstige Dinge über Schnee ;)

Zum Abschluss: Was wirklich interessantes zu Lesen über die Corona.

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