29./30.06.2019 | Stubaier Sommerski-Express Hitzeflucht

29./30.06.2019 | Stubaier Sommerski-Express Hitzeflucht

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Eine Skirunde im Sommer über die Gletscher des Stubaier Hauptkammes schwebt uns schon lange vor.

Der kalte, schneereiche Mai und ein (angebliches) Schneehöhenmaximum seit Existieren der Stubaier Gletscherbahnen rund um die Gletscher von Zuckerhütl bis Daunkopf am 31.05.2019 bereiten uns ideale Bedingungen für diese Unternehmung.

Moidl plant die genaue Runde zackig. Kristian als ebenfalls hochmotivierter Sommer-Skibergsteiger ist ohne große Diskussion sofort mit von der Partie. Das Heu ist ob des stabilen Wetters auch schon ausgesprochen früh im Tennen und der extremen Hitze dieser Tage wollten wir so oder so entfliehen.

So starten wir am 29.06. auf folgende Runde:

Schaufeljoch – Abfahrt zum Auffellplatz unter Pfaffenferner – Aufstieg Gamsplatzl – Abfahrt Triebenkarlesferner – Sonklarspitze, 3449 m – Müllerhütte – Sonnenuntergang Wilder Freiger, 3418 m. Und weiter am 30.06. von der Müllerhütte  – Wilder Pfaff, 3458 m – Zuckerhütl, 3505 m – Abfahrt Sulzenauferner/Pfaffenferner – Fernaujoch – Abfahrt Dresdner Hütte

Wir fahren mit der Bahn erst um 8 Uhr auf das Schaufeljoch – damit der oberflächlich gefrorene Sommerfirn mit seinen inzwischen tiefen Gräben und Rinnen schon aufgeweicht und angenehm fahrbar ist. Zeitstress hat man bei Sommerschnee so oder so keinen da sich die Lawinengefahr tageszeitlich nicht mehr ändert. Nur die Schneequalität zum Skifahren ändert sich – sofern er in der Nacht frieren kann. Vo der Waschrumpel zum leicht bremsenden Sommerschnee eben. Außerdem weicht man so den sinnlos langen Nachmittagen auf einer Hütte aus.

Die Abfahrt um viertl vor 9 ist dann wie erwartet schon weich und der Sommerschnee dadurch gut fahrbar. Wir kommen noch ohne Ski auszuziehen auf das Gamsplatzl hinauf und starten in die erste Abfahrt hinunter Richtung Triebenkarlesferner. Weiter geht es mit Ski bis der Gletscher stark aufsteilt. Von dort mit Steigeisen bis zur Sonklarspitze. Es folgt ein eher mühsamer Abstieg über den Ostgrat. Danach eine Querung über den Übeltalferner auf die Müllerhütte. Mehrere Sondierungen am Übeltalferner ergeben 20 – 50 cm Schnee im flachen Bereich, bis 1,80 m im Bereich des Kolkes vor der Hütte. Echt extrem, wie die 30 Tage im Juni den Schnee jetzt gefressen haben. Sogar auf über 3000 m sind schon über 3 Meter an Schnee abgeschmolzen. Mittlerweile liegen wir wieder etwa im Durchschnitt für diese Jahreszeit. Noch ein paar Wochen mit Hitze, dann ist die Bilanz wieder gleich negativ wie in den vergangenen Jahren. Und das nach so einem Winter (Schneehöhenmaximum seit Bestehen der Gletscherbahnen in den 70ern) und einem derart schneereichen und kalten Mai. Der Sommer ist in den Alpen für die Gletscher halt ausschlaggebend. Der Winter ist nur sowas wie das Tüpfelchen am i und eigentlich nichtssagend.

Blick vom Schaufeljoch ins Skigebiet
Gaiskarferner
Aufstieg zum Gamsplatzl. Hinten Schaufelspitze.
Blick hinaus durchs Windachtal nach Sölden.
Abfahrt vom Gamsplatzl in Richtung Sonklarspitze hinten.
Auffellen zur Sonklar.
Zuckerhütl und Wilder Pfaff von Süden.
Auf der Sonklarspitze. Blick zum Wilden Freiger über Übeltalferner.
Wildspitze
Weißkugel.
Blick nach Südwesten
Hochfeiler und Kollegen.
Olperer
Sonklarspitze
Drei Zinnen in der Ferne.
Abfahrt zum Ostgrat. Blick nach Osten zum Übeltalferner.
Querung zur Müllerhütte. Hier liegen durchschnittlich nur mehr 30 cm Schnee! Hinten rechts Wilder Freiger.

Wir machen am Nachmittag ein Schläfchen auf der Hütte und brechen nach dem Abendessen wieder in Richtung Wilder Freiger auf. Der Aufstieg geht noch über Schnee in der Südflanke bis fast auf den Gipfel. Der Sonnenuntergang ist echt toll, die Temperaturen richtig angenehm. Eine extrem dünne Jacke über dem verschwitzten Leibchen ist fast zu warm. Die Schneeoberfläche in der Abfahrt hat schon leicht angezogen – es ist zwar unglaublich warm für die Tageszeit und die Höhe, aber die geringe Luftfeuchtigkeit macht’s halt aus.

Becherhaus am Abend.
Abfahrt am Freiger noch von oben weg möglich.
Sommerschneestrukturen
Botzer
Letzte Sonnenstrahlen am Becherhaus.
Pflerscher Tribulaun und Zillertaler dahinter.
Schattenwurf ähnlich einem Vulkan.
So…
… schön …
… dort!
Links direkt neben der Sonne der Hochvogel.

Nach einem netten Hüttenabend und ausgezeichnetem Frühstück brechen wir über den Südostgrat zum Wilden Pfaff auf. Dieser ist oft mit Eisen versichert und angenehm zu gehen. Die Abfahrt zum Pfaffensattel über die SW-Flanke ist noch pickelhart aber machbar. Der Anstieg vom Skidepot zum Zuckerhütl ist im Sommer zwar weniger angenehm als im Winter aber gut markiert. Oben freuen wir uns über die angenehmen Temperaturen für diese Höhe.

Morgens aus dem Fenster
Übeltalferner
Pfaffengrat in Sicht!
Entweder blockiger Fels.
Oder massiv versichert.

Blick vom Pfaff zum Zuckerhütl und über den Sulzenauferner.
Blick zurück vom Pfaff.

Blick vom Zuckerhütl durchs Stubai hinaus.
Einige Fanaten sind noch unterwegs. Aber wahrscheinlich alle davon kennen sich untereinander.
Abstieg Zuckerhütl.

Die Abfahrt am Sulzenau- und Pfaffenferner ist wegen der tiefen Schneeformen nicht super aber besser als zu Fuß runterzugehen. Man muss nur sein Mindset einstellen und die Ski teilweise nicht als Spaß- sondern als Transportgerät betrachten. Der Aufstieg zum Fernaujoch gestaltet sich brütend heiß. Und die Abfahrt zur Dresdner Hütte ist einfach nur gewaltig! Da weiß man, warum man lieber mit Ski als im Hochtourenmodus unterwegs ist. Oben gibt es gut laufenden Sommerfirn mit wenig tiefen Formen, unten dann perfekten Pistenfirn bis praktisch in den flachen Bereich vor der Mittelstation. Super Abschluss-Schwünge einer traumhaften Runde.

Blick zurück zum Hütl.
Immer wieder eindrucksvoll, das Kolk am Pfaffenjoch.
Abfahrt am Pfaffenferner. Hinten die Gurgler Berge.
Am Fernaujoch. Blick zur letzten Abfahrt.
:-)
Kristian genießt makellosen Pistenfirn.
Bis fast zur Mittelstation!

Im Stubai sehen wir Massen an Hitzeflüchtlingen aus den Ballungszentren. Als wir in Kematen aus dem klimatisierten Auto aussteigen, glauben wir, jemand schlägt uns nieder. Genau als wir unsere Ski von einem in die anderen Autos räumen, soll in Innsbruck mit 38,5°C ein neuer Temperaturrekord für Tirol erreicht werden. Und wir waren heute mit Ski auf Schnee unterwegs. Bei Temperaturen die angenehmer zum Sporteln gar nicht sein können. Das muss wohl die Idealvorstellung eines jeden Skitourengehers auf dieser Welt sein. Oder nicht?

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