17.04.2019 | SchneeReport Kühtai-Sellraintal #10 Saison 2018/19

17.04.2019 | SchneeReport Kühtai-Sellraintal #10 Saison 2018/19

Neuschnee

Es hat drei Tage lange von Ost bis Nordost mit mäßiger Strömung feuchte, kühle Luft gestaut. Dadurch hat es am Rosskogel etwa 70 cm geschneit, am Pirchkogel 11 km westlich davon lediglich 10 cm. Generell gilt: Je weiter nach Westen in den Stubaiern, desto weniger Neuschnee der letzten Niederschlagsperiode.

Vom 10.04. – 15.04. hat es im Sellrain am meisten Neuschnee von ganz Nordtirol gegeben. Und zwar nur im nordöstlichen Eck um den Rosskogel. Einer mehrtägigen, feuchten Nordostströmung geschuldet. Bei dieser Wetterlage kann die Luft aus dem Inntal ungehindert bis zum Eingang des Sellrain strömen. Dort wird sie gehoben. Es entsteht eine klassischer Stauniederschlag wie bei den sonst bekannten Voralpen-Nordstau bzw. -südstaulagen. Zuletzt gab es die gleiche Wetterlage in dieser Ausprägung am 05.04.2015 wo es im Bereich um den Rosskogel etwa 40 cm schneite – während der Rest Tirols großteils nur angezuckert wurde.

Der Gradient nach Westen war, wie immer bei diesen Wetterlagen, auch dieses Mal sehr stark: Am Pirchkogel (11 km westlich vom Rosskogel) hat es in den drei Tagen nur etwa 10 cm geschneit, am Rosskogel ca. 70 cm.

Im Schnitt hat es in unserer Region etwa 30 cm Neuschnee abgegeben.

Schneemenge

Beobachter Kühtai. Dick-rosa: Heuriger Verlauf. Graue Linie: Durchschnitt seit 1990. Graue Bereiche: Maxima und Minima seit 1990 (es wurde aber nicht immer gemessen!).

Man kann noch von allen Parkplätzen oberhalb von 1600 m problemlos auf seine Skitour starten. Lediglich bei den Galerien zum Rietzer Grieskogel trägt man die Ski ganz kurz bis oberhalb der Bäume. Lässt man den Neuschnee noch etwas setzen, entspricht die Schneemenge in allen Höhenlagen in etwa dem Durchschnitt.

Von St. Sigmund beispielsweise kann man durchschnittlich bis Mitte April vom Dorf weg ins Gleirschtal bzw. Kraspestal mit Ski starten und auch wieder abfahren. Derzeit sind es die letzten Tage an denen dies möglich ist – also „so wie immer“.

Ausblick vom Parkplatz Lüsens am 16.04.2019
Maximalschneehöhe des Winters auch ganz oben erreicht?!

Schneequalität & Altschneeschwachschichten

Zwar findet man weit oben und direkt nordseitig noch bis ins Osterwochenende hinein brauchbaren Pulver – aber genau in diesem Bereich gib es derzeit relevante Altschneeschwachschichten. Diese haben sich in einem kurzen Zeitraum während beziehungsweise kurz vor den Niederschläge gebildet. Es handelt sich dabei um kammnahen, eingeschneiten Oberflächenreif (Die „Königin der Schwachschichten“ – sehr auslösefreudig!) oder um Kantige Kristalle durch den ominösen „Kalt auf warm“ – Prozess. Die Schwachschichten befinden sich inzwischen genau in der richtigen Tiefe um von Wintersportlern ausgelöst zu werden. Sie verfestigen sich von Tag zu Tag zu dieser Jahreszeit. Aber auch wenn die Wahrscheinlichkeit sie auszulösen relativ schnell abnimmt, kann man ihnen trotzdem ganz einfach ausweichen…

Man findet über die Osterferien in Südhängen aller Höhenlagen sowie in West- und Osthängen bis zumindest 2600m wirklich guten Zischfirn. In diesen Hängen ist die Lawinengefahr am Vormittag auch fast kein Thema – sofern die Nacht natürlich klar war. Vor allem gibt es dort keine relevanten Schwachschichten für trockene Schneebrettlawinen. Lediglich nasse Lockerschneelawinen und vereinzelt Schneebrettlawinen werden dort im Laufe des Tages zum Thema.

Man kann einem markant erhöhten Lawinenrisiko also derzeit ganz gut ausweichen. Örtlich wie im Diagramm dargelegt, zeitlich indem man einfach früh unterwegs ist.

Lawinenauslösung 15.04.2019 Zischgenscharte. So hat es ausgeschaut als wir den Hang erblickt haben…
Nachdem ich in den Sprint-Modus wechselte, sind dann Gott sei Dank die Betroffenen sowie ihre Ausfahrtsspuren aufgetaucht.
Ein klassisches…
… weiches Schneebrett. Das heißt, das Brett bestand aus perfektem Pulver. Genau aus dem Schnee in dem man am liebsten seine Schwünge zieht. Je giftiger die Schwachschicht, desto „weicher“ kann das nötige Brett sein um eine Schneebrettlawine auszulösen!
Mit Oberflächenreif durch Nigg-Effekt als Schwachschicht. Das hätte uns auch getroffen.

Fazit

Kombiniert man Schneequalität und Lawinengefahr, kommt man auf eine klassische Frühjahrssituation. Man ist früh unterwegs. Spätestens zu Mittag ist man wieder beim Auto (wenn man westseitig abfährt je nach Temperatur und Bedeckungsgrad der vorigen Nacht auch erst im Laufe des Nachmittags) und lässt den Tag auf der Sonnenterrasse des Gasthof Ruetz in St. Sigmund gebührend ausklingen.

 

 

Mehr Fotos

Tag 1. Blick aus der Pforzheimer Hütte ins Gleirschtal.
So schön im Frühjahr :)

Ostwind
Ostwind!
Feuchter Ostwind!!
Gleirschtal
Belohnt wird, wer am ersten Tag nach Schneefall früh unterwegs ist.
Pulver im Aufstieg

Seeblas
Längental
Als würde das Eis noch zwischen den Zungenrändern liegen…
Tag 2.
Stefan, der Berg-Paparazzi
Lukas, die Berg-Paris Hilton
Der höchste Berg der Sellrainer – 3325 m. Aber welcher?
Der schönste Berg der Sellrainer aus einem anderen Blickwinkel…
Der Apfel der ausnahmsweise nicht nach Hause mitgenommen wurde.
Seeblaskogel im Hintergrund
Ostwind!
Noch mehr Ostwind
Bachfallenferner. Ein Toteisfeld ohne Akkumulation wie jeder andere Gletscher bei uns auch. Unterhalb von +/- 3.500 m wird nicht viel übrig bleiben wie es derzeit ausschaut. Also im Sellrain praktisch nix.
Villerspitzen mit Sommerboten.

 

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