Erste schwer einschätzbare und unfallträchtige Lawinensituation der Saison! Wie gehe ich damit um?

Erste schwer einschätzbare und unfallträchtige Lawinensituation der Saison! Wie gehe ich damit um?

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Am meisten Unfälle passieren bei Gefahrenstufe 2 und 3 nicht nur, weil sie an vielen Tagen vorherrschen, sondern weil sie viel schwerer handhabbar sind als die anderen Situationen. Die Gefahr ist bereits markant erhöht. Aber man kann sich noch ins freie Gelände begeben. Nur man muss ganz genau wissen, wo man hingehen kann und wohin nicht bzw. wo man besonders defensiv muss und wo nicht. Im Winter ist man zu 100% verhältnisorientiert unterwegs – niemals zielorientiert. Zuerst checkt man die Verhältnisse, dann wählt man darauf angepasst eine geeignete Tour, Abfahrt oder ein Gipfelziel aus. Nicht umgekehrt!

Das „durchschnittliche“, subjektive Risiko das wir Wintersportler eingehen, ist viel wichtiger für die „Erzeugung“ von Lawinenunfällen als das objektive Gefahrenlevel.

 

Das durchschnittliche Risiko das von uns allen eingegangen wird, wird nicht nur von physikalischen Grundlagen von Schnee gesteuert, sondern viel mehr von den menschlichen Rahmenbedingungen. Wir gehen das höchste Risiko nicht bei der höchsten Gefahrenstufe ein: Bei einem 5er bleiben wir schließlich zuhause. Bei einem 4er bleibt man normalerweise auf der Piste oder im möglichst flachen, dichten Wald. Deswegen sind diese beiden Situationen sehr leicht handhabbar und man geht kaum ein Lawinenrisiko ein. Bei einem 1er muss man schon eher Pech haben, dass man eine Lawine auslöst, damit ist er auch sehr einfach handhabbar und wegen der geringen Wahrscheinlichkeit ist das Risiko ebenfalls gering.

Die Situationen dazwischen sind unser Hauptproblem: So gefährlich, dass man sich noch im offenen Steilgelände bewegen kann – ABER man ganz genau wissen muss, wohin man nicht gehen soll. Sonst setzt man sich sehr schnell einem sehr hohen Risiko aus. Das Risiko das wir alle leider meist eingehen, ist bei einem 2er und einem 3er immer eklatant höher als bei einem 1er, 4er oder 5er!

Die Unfallwahrscheinlichkeit ist am höchsten in Ferien und an Wochenenden, bei schönem Wetter, Neuschnee, guter Schneequalität, mittelmäßiger Lawinengefahr (nicht hoher Lawinengefahr!) und schwer einschätzbaren Lawinensituationen.

Schwer einschätzbare Situationen sind immer Situationen wo man an der Schneeoberfläche keine Gefahrenzeichen erkennen kann.

Unter diese Situation fallen die kommenden Feiertage der Weihnachtsferien 2018: Es gibt Altschneeproblem-Bereiche in Teilen Tirols die man noch nicht ganz exakt nach ihrer Auslösewahrscheinlichkeit einschätzen kann weil bis jetzt das geeignete Schneebrett oberhalb der Schwachschichten fehlte. Daneben gibt es in den nächsten Tagen ein markantes Triebschneeproblem oberhalb der Waldgrenze. Teilweise wurden die Triebschneepakete leicht überschneit, damit sind sie nicht mehr gut erkennbar. Da die Temperaturen nun stark gesunken sind, ist der Triebschnee vor allem weiter oben über mehrere Tage auslösbar.

 

Nachfolgend ein paar Grafiken die anschaulicher visualisieren wo man derzeit besonders aufpassen sollte (Gefahrenbereich Triebschneeproblem) oder gar nicht hingehen sollte (Gefahrenbereich Altschneeproblem).

Wer in den kommenden Tagen safe unterwegs sein will, der muss seinen Kopf anstrengen und gewisse Gefahrenbereiche bereits in der Planung meiden: Also Hänge in gewissen Expositionen und Höhenlagen nicht betreten. In anderen Gefahrenbereichen muss man gekonnt den Gefahrenstellen durch sichtbare Gefahrenzeichen an der Oberfläche ausweichen.

Fazit: Guter Pulver in mäßig steilem, sonnigen Gelände hat einfach was um diese Jahreszeit :-)

Das heißt für mich Touren wie bspw. der Zischgeles sind ein No-Go! Die Auslösewahrscheinlichkeit ist zwar nicht extrem hoch, aber man sieht die Gefahrenstellen in diesen Gefahrenbereichen beim Altschneeproblem einfach nicht.
Die Auslösewahrscheinlichkeit für das Triebschneeproblem ist dahingegen zwar wesentlich höher. Dafür erkennt man die meisten Gefahrenstellen durch Gefahrenzeichen an der Oberfläche in den besagten Gefahrenbereichen. Die meisten – nicht alle.

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