Schon 20 Dreitausender und bald 100 Gipfel: Interview mit dem 10-jährigen Bergsteiger Florian Zach aus Götzens

Schon 20 Dreitausender und bald 100 Gipfel: Interview mit dem 10-jährigen Bergsteiger Florian Zach aus Götzens

Lesezeit: 14 min

Florian Zach aus Götzens – Jahrgang 2013 – hat bereits dutzende Gipfel bestiegen. Nicht etwa auf ausgetretenen Wegen auf einem Voralpenhügel, sondern oft auf schwierigen Anstiegen auf die 3000er Österreichs oder die schönsten und anspruchsvollsten Berge der Stubaier Alpen. In Seilschaft meist sein Vater Christian und Mama Melanie. Ich habe mich kürzlich mit Familie Zach getroffen und mit Florian und seinen Eltern über ihre Bergabenteuer gesprochen.

Auf Facebook habe ich immer wieder Bergfotos von Familie Zach gesehen. Vater Christian ist ein ambitionierter Bergsteiger aus Götzens, dadurch kennt man sich aus der lokalen Szene. Vor kurzem habe ich zufällig mit Christian über die Bergsteigerei im Allgemeinen und auch seine Touren mit Sohn Florian gesprochen und war sehr überrascht, wie viele und auch welche schweren Touren sie bereits gemeinsam, oft auch mit Mama Melanie, unternommen haben. Wildspitze im Sommer und mit Ski, Großglockner, Similaun, Finailspitze, Zuckerhütl, Lüsener Fernerkogel, Hoher Weißzint, Wilder Freiger, Habicht, Schrankogel sind nur ein paar der klingenden Namen, die Florian mit seinen Eltern schon bestiegen hat. Weil es wenige Kinder gibt, die schon so viel bergsteigerische Erfahrung haben und auch wenige Eltern, die ihre Kinder derart dabei unterstützen, entstand die Idee zu diesem Interview.

Collage von Florians Gipfelfotos

Lukas Ruetz: Hallo Florian, Melanie und Christian! Wart ihr heute Vormittag am Berg unterwegs? 

Florian: Ja, wir waren heute auf der Vennspitze. Eine coole Skitour und wir haben dort im verspurten Schnee wieder einmal das Tiefschneefahren geübt. Wieder ein super Bergtag.

Lukas: Florian, was war für dich bis jetzt der schönste Gipfel?

Florian: Der Glockner! Weil er die höchste und schönste Aussicht hat. Wir sind vom Parkplatz auf die Adlersruhe und haben dort übernachtet, die Erzherzog-Johann-Hütte. Am nächsten Tag sind wir um 6 Uhr morgens gestartet. Beim Hinaufgehen waren noch nicht so viele Leute unterwegs, aber dann im Abstieg gab es eine richtig lange Seilschaft wo wir lange warten mussten. Und vom Kleinglockner zum Großglockner geht nur eine ganz schmaler Grat hinüber.

Papa Christian: Den Stüdlgrat haben wir nun auch im Auge. Ein sehr schöner Grat!

Lukas: Und wo war Mama Melanie bei eurer Glockner-Besteigung?

Florian: Die Mama war natürlich auch dabei. Nach der Tour war die Mama aber müde, und ich hatte dann schon ein bisschen Muskelkater.

Papa Christian: Ja, ich habs auch gespürt danach mit meinem 24 Kilo Rucksack. Alles mal zwei: Pickel, Steigeisen, … Da muss man natürlich ein bisschen mehr Zeug mittragen als Papa wenn man mit der Familie eine solche Tour unternimmt. Man braucht auch die Eltern die gerne für ihre Kinder größere Anstrengungen auf sich nehmen zum Bergsteigen.

Florian mit 8 Jahren mit seinen Eltern am Großglockner.
Von der Adlersruhe Richtung Kleinglockner unterwegs – in Seilschaft mit Mama und Papa.
Freude ins Gesicht geschrieben. Die Kuscheltiere dürfen in diesem Alter natürlich auch am Berg nicht fehlen.

Lukas: Ja, definitiv. Ohne meine Eltern wäre die „Skibergsteigerkarriere“ auch nicht möglich gewesen. Welche besonderen Gipfel gibt es noch von euren gemeinsamen Bergtouren?

Papa Christian: Innerhalb von zwei Wochen haben wir damals Glockner und Wildspitze gemacht. Und einen Sommer später sind wir auch hinauf zur Finailspitze und zur Ötzi-Fundstelle. Beim Glockner gibt es übrigens noch eine schöne Geschichte: Hüttenwirt Toni hat uns extra wegen Florian ein eigenes Zimmer gegeben und auf die Tür geschrieben: „Ruhe! Hier schläft ein Kind.“

Florian: Als nächstes Ziel haben wir gleich danach den Similaun gehabt. Das war weit vom Schnalstal aus. Da haben wir einen Bartgeier gesehen!

Lukas: Wie war es dann für dich, Florian, so jung schon beim Bergsteigen?

Florian: Hmmm, ja… es war eigentlich ganz normal. Papa und Mama haben mich immer schon mitgenommen und wir sind ja sozusagen in den Bergen zuhause.

Lukas: Meine Eltern auch, aber ich hab mich immer gesträubt mitzugehen.

Florian (lacht): Nein, ich bin immer gerne dabei!

Zischgeles

Papa Christian: Da gibt es eine gute Geschichte aus den Kalkkögeln, unseren Heimatbergen. Der Lift in der Axamer Lizum hatte im Herbst schon geschlossen. Florian wollte unbedingt auf den „Kletterberg“, die Marchreisenspitze, unbedingt! Dann sind wir auf Ampferstein, Marchreisen, Hochtennspitze.

Lukas: Alle an einem Tag?!

Papa Christian: Ja, inzwischen haben wir das schon drei Mal gemacht.

Florian: Was mir auch gut gefallen hat, war die Ochsenwand über den Klettersteig.

Lukas: Der ist aber schwer, oder?

Florian: Ich mag Klettern, das ist nie schwer!

Florian am Klettersteig.
Gipfelgrat auf den Hinteren Spiegelkogel in den Ötztaler Alpen.

Papa Christian: Saile waren wir auch schon drei Mal mit Ski, über die Mayrrinne.

Lukas: Auch abgefahren über die steile Einfahrt?

Florian: Ja, abgefahren auch! Oben war es hart aber griffig.

Lukas: Und da hattest du keine Angst?

Mama Melanie (lacht): Er hat auf der Götzner Skifahren gelernt!

Lukas: Und die Stubaier Seven Summits hast du auch schon in der Tasche habe ich gehört? 

Florian: Ja, genau. Zuckerhütl, Serles, Habicht, Burgstall, Rinnenspitze, Wilder Freiger und Elfer.

Florian mit Urkunde des Stubaitales zur Besteigung der Stubaier Seven Summits.
Tiefblick vom Habicht auf den Ausgangspunkt im Pinnistal.

Lukas: Welcher war der coolste davon?

Florian: Eindeutig Zuckerhütl!

Lukas: Weißt du, warum es so heißt? 

Florian: Natürlich, das hat mir Papa erklärt. Weil es so ausschaut wie ein Zuckerhut im Winter. Aber wir mussten lange Warten in der Kälte im Aufstieg weil sich eine Gruppe erst mitten in der Gipfelrinne angeseilt und alles blockiert hat.

Lukas: Erzähl mir von deiner Besteigung des Lüsener Fernerkogels!

Florian im Juli 2022 mit 9 Jahren am Lüsener Fernerkogel. Wohlgemerkt als Tagestour von Lüsens mit Papa Christian!

Florian: Es war super schönes Wetter. Am Gipfelgrat hat mich Papa auch angeseilt. Ein paar Steine waren doppelt so groß wie ich aber ich bin überall raufgekommen.

Papa Christian: Wir haben ca. 4 1/2 Stunden im Aufstieg gebraucht von Lüsens. Der Fernerkogel hat mich übrigens zum Bergsteigen gebracht. 2015 als du, Lukas, mit Holzi über den Nordgrat hinauf bist, habe ich mir gedacht, das möchte ich auch mal machen.

Das coole ist, dass mich Florian auch schon sichert. Er weiß genau, welche Steine sich für die Sicherung und den Seilverlauf gut eignen.

Auf der Lüsener Villerspitze waren Florian und ich übrigens auch schon einmal.

Florian: Die Lüsener Villerspitze sieht so aus wie eine Haiflosse! Da war Mama auch dabei, aber die glatten Steinplatten oben sind furchteinflößend.

Lukas: Habt ihr den Stein mit den Inschriften neben dem Kreuz gesehen?

Florian: Ja! Und eine Flasche liegt auch einbetoniert daneben. Vielleicht wollte jemand seine Flasche verewigen nachdem er sie mit seinem besten Kumpel getrunken hat.

Papa Christian: Ich sag immer, Florian ist mein bester Bergpartner. Die Ziele gehen uns nicht aus. Wichtig ist es, immer Respekt zu haben, keine Angst. Mit Angst kann man nicht mehr klar denken und das hemmt dich bei der Entscheidungskraft. Das versuche ich Florian auch beizubringen. Kalkuliertes Risiko mit Respekt aber nicht vor Angst gelähmt zu sein.

Lukas: Wie viele 3000er hast du inzwischen eigentlich schon gemacht?

Florian: 20 glaub ich, und ca. 90 Gipfel insgesamt. Breite Wege mag ich nicht so gern. Die schauen so aus wie eine Autostraße. Lieber schmale Steige.

Lukas: Gibt es noch eine nette Geschichte von euren Bergtouren?

Papa Christian: Ja, am Zischgeles. Es war ein extrem heißer Sommertag. Beim Hinuntergehen haben wir den Bach zusammengestaut und Florian hat sich ausgezogen und ist im aufgestauten Bad herumgerutscht. Da denk ich jedes Mal dran wenn ich an der Stelle vorbeikomme.

Und am Schrankogel. Wir sind hinein auf die Amberger Hütte. Es hat geregnet, am Gipfel dann geschneit. Aber Florian hat durchgebissen. Und dann im Anstieg haben wir eine große Herde Steinböcke gesehen.

Florian erlernt den Seilumgang beim Alpinklettern im Schrofengelände schon in jungen Jahren. Lüsener Villerspitze.
Im September am Schrankogel. Bei guter Stimmung trotz Schneefall und Nebel.

Ich habe eine riesige Freude in den Bergen mit Florian. Man kann mit den Kindern dabei spielerisch viele Themen aufarbeiten. Hüttenübernachtungen sind zwar nicht immer super komfortabel aber ein Hüttenabend mit Kartenspielen, UNO Spielen… ohne Ablenkungen. Die Gemütlichkeit die man dort verspürt… Das Ganze drumherum beim Bergsteigen. Die Zeit die man dort gemeinsam verbringt, das ist für uns so wertvoll. Darum kann ich nur allen Eltern mit ihren Kindern empfehlen: Gian, gian, gian!

Florian ist in der letzten Generation die noch aktiv die Gletscher bei uns erleben kann. Da waren wir erstmals am Stubaier Gletscher und haben alle gemeinsam mit Steigeisen gehen geübt. Florian hat auch das gesamte Ausrüstung schon selbst: Pickel, Steigeisen, Lawinenpieps. Dann machen wir auch immer wieder Knotenkunde…

Lukas: Welche Knoten kannst du dann schon?

Florian: Den Achterknoten zum Beispiel.

Lukas: Und Pieps suchen hast du auch schon geübt?

Florian: Ja, natürlich.

Lukas: Und als nächstes gehen wir einmal gemeinsam ein Schneeprofil graben.

Florian: Das machen wir!

Papa Christian geht deswegen auch so intensiv mit seinem Sohn in die Berge, weil Florian einer der letzten ist, der noch selbst die Gletscher erleben kann. Bis er erwachsen sein wird, sind nur mehr kümmerliche Reste in Tirol übrig. Hintereisferner im Juli 2023.
Auf Florians erstem Dreitausender, der Rinnenspitze – mit 6 Jahren im Sommer 2019. Blick auf den Lüsener Ferner.
Gletscherbegehung des Taschachferners. Hinten die Wildspitze.

Galerie der Bergabenteuer von Florian und seinen Eltern

Florian mit Mama Melanie und Papa Christian auf einem seiner Hausberge. Skitour auf den Widdersberg in der Axamer Lizum.

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