Lawinengeschichte in der Region Kühtai-Sellraintal & was wir daraus lernen können Teil 1 - Lawinen im Siedlungsbereich

Lawinengeschichte in der Region Kühtai-Sellraintal & was wir daraus lernen können Teil 1 - Lawinen im Siedlungsbereich

Lesezeit: 23 min

Bezogen auf Lawinen zählt die Region Kühtai-Sellraintal zu jenen Gebieten Österreichs mit am meisten Unfällen und Opfern. Eine Person pro Winter verliert bei uns im langjährigen Schnitt ihr Leben in einer Lawine. Aber was kann man aus mehreren hundert Jahren Menschen & Lawinen im Sellraintal lernen? Wir betrachten dazu die Lawinengeschichte des Sellraintales im Siedlungs- sowie im Wintersportbereich und extrahieren daraus die wichtigsten Botschaften.

Teil 1 – Lawinen im Siedlungsbereich

The struggle is real: Der „lawinöse“ Zeitraum zwischen dem Beginn der Neuzeit und dem 20. Jahrhundert

Beginn der Ganzjahresbesiedelung = Zurückdrängen des Waldes

Die hinteren Seitentäler in Tirol wurden im Zuge des „mittelalterlichen Landesausbaus“ von sommerlichen Almen zu Ganzjahressiedlungen erweitert. Die hintersten Bereiche des Sellraintales wurden somit rund um das 12. Jahrhundert zu Schwaighöfen und von Bauernfamilien nun ganzjährig bewohnt. Damit stieg auch der Holzbedarf zum Heizen und Errichten neuer Gebäude markant an. Zudem erhöhte sich nach und nach der Viehbestand.

Brandrodung zur Gewinnung von Weide- und Mähflächen und das Schwenden im Bereich der Waldgrenze für Almflächen trugen weiter zum Niedergang des Waldes bei. So erzählen heute noch die beiden „Brandhöfe“ und der Nachname „Prantner“ in St. Sigmund wie das „Urbar-Machen“ von Flächen stattgefunden hat.

Starke Schlägerungen, Schneiteln, Überweidung, Ziegenhaltung = Der Niedergang des Waldes

Holz war für Jahrhunderte das meistgenutzte Baumaterial und einzige Heizmaterial. So wurde der Wald ohnehin schon sehr stark genutzt. Zusätzlich gab es noch andere Arten der Nutzung: Äste wurden regelmäßig abgeschnitten und als Einstreu für das Vieh verwendet. Im Sommer war Vieh zudem nicht auf den heutigen Almen sondern im Tal und weidete im Wald. Durch den Verbiss und die Trittschäden wurden junge Bäume massiv geschädigt. Verbunden mit dem hohen Viehstand konnte sich für mehrere hundert Jahre fast keine Verjüngung mehr bilden. Die alten Bäume wurden abgeholzt, junge Bäume wuchsen kaum nach.

Die heutigen Almflächen wurden damals fast ausschließlich als Bergmähder genutzt. Nach dem ersten Schnitt (Heu) im Tal stand das Mähen des Bergheus oberhalb der Waldgrenze an, bevor man wieder ins Tal zurückkam um dort den zweiten Schnitt (Groamet) zu mähen. Im Winter wurde das in Stadeln eingelagerte Bergheu dann beim Heuziehen ins Tal befördert. Die Waldgrenze wurde durch das Bewirtschaften der Bergmähder massiv nach unten gedrückt. So befindet sich die Waldgrenze an den Südhängen oberhalb von St. Sigmund heute bei etwa 1900m, natürlicherweise würde sie dort bei 2100m liegen.

Das größte Problem war aber die Ziegenhaltung. Es gibt kein Nutztier, das Bäume derart stark schädigt als eine Herde Ziegen.

Die Ausbreitung des Waldes im Jahr 1947 am Haggener und St. Sigmunder Sonnberg.
… und 2020.

Die vor wenigen Jahrzehnten noch völlig waldfreie Südseite von St. Sigmund bis nach Kühtai war besonders außergewöhnlich. Ein stark zurückgedrängter Wald wäre dort zwar zu erwarten – aber gar kein Wald auf einer Länge von vier Kilometern ist doch etwas ungewöhnlich in einer Höhenlage von 1600 bis 2000m. Wissenschaftler der Uni Innsbruck konnten das Rätsel vor vielen Jahren lösen. In mehreren Bodenprofile zeigte sich von der Zirmbachalm bis nach Haggen durchwegs ein Brandhorizont. Eine Brandrodung im Mittelalter dürfte dabei in einem trockenen Frühjahr oder Herbst außer Kontrolle geraten sein und zerstörte damit den gesamten Wald auf der Sellraintaler Südseite auf einer Länge von etwa vier Kilometern!

Die ehemals völlig waldfreie Südseite von St. Sigmund bis nach Kühtai – heute unterbrochen von der Aufforstung oberhalb von Haggen sowie vielen, einzelnen Bäumen rechts der Aufforstung und oberhalb der Zirmbachalm. Diese werden in wenigen Jahrzehnten ebenso einen Wald bilden.
Die jahrelangen Investitionen in die Aufforstung oberhalb von Haggen trägt inzwischen Früchte: 2022 wurde der obere Teil durchforstet.
Haggen mit einem noch vollständig baumlosen Sonnberg

 

Die Bannwälder – erste Schritte zu einer lokalen Verbesserung des Waldzustandes

Der Niedergang des Waldes wurde bereits vor zwei- bis dreihundert Jahren langsam erkannt und erste Schritte dagegen gesetzt. Die Bannwälder, in denen eine Holznutzung meist gänzlich untersagt war, zeugen noch heute in Form vieler Flurnamen davon. So gibt es beispielsweise in der Haggener Schattseite oder in Untermarendebach bei Gries einen „Buwald“ – das ehemalige Dialektwort für einen Bannwald. In heutigen Worten wäre dies ein „Schutzwald außer Ertrag“.

Der Bannwald bei Haggen

Mit dem Wald geht es wieder bergauf – Abtretung der Weiderechte für Ziegen und die Aufgabe der Bergmahd

Spätestens mit einer Professionalisierung der Holzwirtschaft mit einem Hiebsatz (Gesamtmenge die jährlich nachhaltig entnommen werden kann, also maximal so viel wie rechnerisch jährlich nachwächst), dem allgemeinen Rückgang der Landwirtschaft samt Verringerung des Viehbestandes, unzähliger gezielter Aufforstungsmaßnahmen und dem Niedergang der Nutzung von Bergmähdern konnte sich der Wald im Sellraintal in den letzten hundert Jahren wieder deutlich erholen. In einer „Krisensitzung“ zum Waldzustand haben die St. Sigmunder Bauern beispielsweise in den frühen 1960er Jahren ihre Weiderechte für Ziegen abgetreten und sind vollständig auf die Haltung von Schafen umgestiegen.

Einen interessanten Bericht zur Entwicklung des Waldes im Sellraintal zwischen 1774 und 1957 gibt es hier. 

Die Natur schlägt zurück: Weniger Wald = weniger Schutz vor Lawinen und Muren

Die verhältnismäßig harten, schneereichen Winter in der Kleinen Eiszeit waren also nicht allein für die großen Lawinen bis in den Siedlungsbereich verantwortlich. Die Kombination mit dem über Jahrhunderte massiv zurückgedrängten Wald ermöglichte teilweise erst ein gewaltiges Ausmaß von Lawinen – die sonst vielleicht nicht in dieser Ausprägung passiert wären. Einige Höfe die im 13. Jahrhundert noch an lawinensicheren Standorten errichtet wurden, kamen durch den Niedergang des Waldes erst im Laufe der Jahrhunderte in den potentiellen Gefahrenbereich von Lawinen.

Das Blatt wendete sich erst im Laufe der letzten 70 Jahre: Aufforstungen und Schutzverbauungen ermöglichen inzwischen wieder einen ähnlichen Schutzstatus der Siedlungsbereiche im Tal wie im frühen Mittelalter.

Gleirsch 1817 – das wahrscheinlich größte Lawinenunglück in der Geschichte des Sellraintales

Das Marterl zur Erinnerung an das Lawinenunglück der Gleirschhöfe wurde liebevoll restauriert und hängt heute im Gemeindeamt von St. Sigmund

Am 09. März 1817 kommt es zum größten, bekannten Lawinenunglück im Sellraintal. Die Gleirschhöfe bei St. Sigmund werden von einer Lawine erfasst, zwei Höfe weggerrissen, der dritte stark beschädigt. Zehn Menschen sterben. 83 Stunden nach dem Lawinenabgang konnte eine Frau noch lebend geborgen werden. Ein restauriertes Marterl – das einst im „Kirchroan“ bei St. Sigmund stand und sich mittlerweile im Gemeindeamt von St. Sigmund befindet – erzählt noch heute davon.

1817 dürfte in den gesamten Alpen eines der schlimmsten Lawinenjahre in der Menschheitsgeschichte gewesen sein. Man findet dazu unzählige Berichte von todbringenden Lawinen von Anfang März aus ganz Tirol, Vorarlberg, Salzburg und der Schweiz. Dieser Lawinenwinter ist durch das vorangegangene „Jahr ohne Sommer 1816“ besonders grausam für die damalige Bevölkerung gewesen. Nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora im April 1815 kühlte sich das Klima durch Asche und Staub in der Atmosphäre – zusätzlich zur ohnehin gerade vorherrschenden „Kleinen Eiszeit“ – nochmals für einige Jahre deutlich ab. In den höheren Tälern Tirols sind die Felder im Sommer 1816 erst im Juni vollständig ausgeapert und es soll zwanzig Mal in diesem Sommer auf die grünen Wiesen geschneit haben. Ganz Europa wurde im darauffolgenden Jahr 1817 von unglaublichen Hungersnöten getroffen – und dazu noch die Lawinensituation von Anfang März 1817…

 

 

Der Bericht zur Lawinenkatastrophe im Gleirschtal im Boten von Tirol vom 13.03.1817
Das Widum von Gries wurde einen Tag nach dem Ereignis im Gleirschtal ebenfalls von einer Lawine getroffen. Die Höhe des Lawinenkegels ist heute noch – ähnlich wie eine Hochwassermarke – an der Hinterseite des Hauses abzulesen.

Die Gleirscher Lawine von 1978 & 1999

1978 wurde die heutige Gleirschalm nach starken Lawinenschäden (wieder) neu errichtet.

Im Lawinenwinter 1999 kam es zwar auch im Sellraintal zu einigen größeren Lawinenabgängen – zu geschädigten Personen aber glücklicherweise nicht. Die Gleirschalm (der nördliche der beiden heutigen Gleirschhöfe) wurde am 22. Feber – einen Tag vor Galtür – von einer Lawine bis zum Erdgeschoss verschüttet. Die Schäden waren beträchtlich aber diesmal verkraftbar.

Die Lawine vom 22.02.1999 auf der Gleirschalm

Anomalie Standort Gleirschhöfe

Interessant bei den Gleirschhöfen auf 1670m ist ihre Lage bezüglich Lawinengefahr. Eine geringfügig versetzte Lage einige Meter weiter südöstlich wäre in Bezug auf Lawinen deutlich besser gewesen. Bei kleinen und mittleren Lawinenabgängen spielt dies keine Rolle. Bei Lawinen geringerer Jährlichkeiten mit größeren Ausmaßen stehen sie aber inmitten des Hauptgefahrenbereiches von zwei Lawinenstrichen auf beiden Talseiten. Warum genau dieser Standort für die ursprünglich ganzjährig bewohnten und bewirtschafteten Höfe ausgewählt wurde, ist mir bis heute nicht klar.

Warum die Gleirschhöfe nicht ein wenig nach Südosten versetzt errichtet wurden, bleibt wohl ein Rätsel. Hinter den Höfen befindet sich der Stoanlehner von der Freihut kommend (hier am Bild). Die Unglückslawinen kamen allerdings allesamt von der anderen Talseite von der Reiche und vom Mutenkogel.

Der große Lawinenwinter 1951

Die großen Lawinenwinter 1951 und 1954 sind Teil österreichischer, alpiner Geschichte. 1954 war vor allem Vorarlberg betroffen, 1951 weite Teile der Ostalpen. Mein Großvater hat immer erzählt, in seinem Leben hätte er die größte Schneemenge bei uns im Jahr 1951 erlebt. Laut Erzählungen glich das gesamte Sellraintal Ende Jänner einer einzigen Lawinenablagerung. Viele der Waldschneisen wurden in diesem Jänner im Jahr 1951 letztmalig von großen Lawinen leergeräumt. So zum Beispiel die Hasental/Aherbach-Lawine oberhalb des Weilers Bichl in Gries. Erkennbar ist dies noch heute an den dem Alter entsprechenden Jungwäldern in diesen Schneisen.

Der von der Zischgeles-Lawine 1951 zerstörte Alpengasthof Praxmar
Gries mit der Aherbach-/Hasental-Lawinenschneise in den 1960ern. Foto: Sammlung Risch-Lau
Im Anbruchgebiet der Aherbach-Lawine westlich des Weißsteins wurden inzwischen die größten Lawinenverbauungsmaßnahmen des Sellraintales errichtet.

Im Sellraintal waren 1951 drei Tote zu beklagen: Im Bereich von Untermarendebach ist die sonnseitige Lawine im Judstal bis zur Straße im Talboden vorgedrungen. Eine Gruppe Einheimischer konnte damals früh genug aus einem Auto auf der Sellraintalstraße fliehen. Nur eine Person blieb im Auto zurück: Ein älterer Herr vom „Buacher“ in St. Sigmund konnte das Fahrzeug nicht rechtzeitig verlassen und starb.

Am 20.01.1951 riss eine gewaltige Lawine vom Zischgeles kommend den ehemaligen, etwas weiter in Richtung des heutigen Parkplatz stehenden, Gasthof Praxmar zur Hälfte weg. Die Trümmer und der Lawinenkegel kamen im Moos im Bereich der heutigen Fischteiche zu liegen. Zwei Menschen verloren dabei ihr Leben. Wenn man sich das hunderte Meter lange, kupierte, recht flache Gelände rund um die Moarleralm in Praxmar anschaut das diese Lawine damals überwunden hat, wird einem wieder einmal bewusst, welche riesigen Lawinen überhaupt möglich sein können.

Das Lawinenunglück von Peida, Feber 1970

Das letzte, große Lawinenereignis im Siedlungsbereich des Sellraintales mit Personenschaden ereignete sich am 23. Februar 1970. Nach starkem Schneefall mit Sturm regnete es weit über die Waldgrenze hinauf. Vom Peider Sonnberg löste sich frühmorgens eine Lawine die den Gasthof Alpenrose vollständig zerstörte und vier Menschen das Leben kostete. Bereits 1935 und 1951 wurde der Gasthof durch dieselbe Lawine in Mitleidenschaft gezogen.

Der zerstörte Gasthof Alpenrose in Peida im Feber 1970.
Einen Tag nach dem Abgang der Hirschbichl-Lawine auf den Gasthof Alpenrose ging wenige Meter westlich davon die Pürstling-Lawine in einem unglaublichen Ausmaß ab. Hier der eingelehnte Sargen-Hof und die Reste eines zerstörten Stadels. Die Schäden hielten sich hier in Grenzen.

Meine Oma war von diesem Ereignis 1970 noch sichtlich traumatisiert – noch fünfzig Jahre danach. Sie hat mir im Sommer 2020 von diesem schrecklichen Erlebnis erzählt. Für mehrere Tage war der Stützpunkt der Rettungsmannschaften unser ursprüngliches Bauernhaus in Peida. Feuerwehrmänner aus dem Dorf, zahlreiche Helfer aus dem Tal und vom Bundesheer wurden von ihr damals versorgt und bekocht während sie nach den Verschütteten unter den Trümmern des Gasthof Alpenrose suchten. Eine überaus traurige Geschichte hat sie dabei am stärksten belastet: Ihre Nachbarin aus dem zerstörten Haus war zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs mit dem Stillen ihres Babys beschäftigt. Sie wurde von einem Holzbalken auf ihr Baby gedrückt und konnte spüren, wie ihr Kind langsam unter ihr erstickte – ohne sich selbst irgendwie bewegen zu können.

Auch meinem Vater sind die Erlebnisse von 1970 noch lebhaft in Erinnerung. Als damals Elfjähriger wurde er am Nachmittag des ersten Rettungstages bei wolkenlosem Wetter und extrem hohen Temperaturen von einem Alarm schlagenden Soldaten ins sichere Haus gerissen weil der nächste Lawinenstrich vom Peider Sonnberg bis zum Talboden donnerte. Ein großer Teil dieser Lawinenablagerung blieb in unserem Feld liegen und musste im Juli auseinandergeschoben werden um im ersten Sommer überhaupt vollständig abzuschmelzen zu können.

Der ehemalige Gasthof Alpenrose in Peida
Die Hirschbichl-Lawine nach einem kleineren Abgang in den 1990ern.
Damit sich Lawinenabgänge auf Peida von 1935, 1951, 1970 nicht wiederholen, wurde das bislang letzte der großen Verbauungsprojekte im Sellraintal durchgeführt. Um 4,5 Millionen Euro wurde die Hirschbichl-Lawine mit Schutzbauten bestückt. Die Planung dazu begann in den 1990ern, die Ausführung dauerte von 2000 bis 2021. Mehr dazu hier.

Drei mal überlebt: Lawine, Hubschrauberabsturz, gefährlicher Abstieg 

Eine Alouette III. Foto: Martina Sindhuber

Zum Lawinenereignis von Peida gibt es eine erheiternde Geschichte. Eine Urlauberin des zerstörten Gasthof Alpenrose wurde per Helikopter ausgeflogen. Der Hubschrauber stürzte oberhalb von Gries im Bereich des Jöchleggs ab – vermutlich wegen eines Pilotenfehlers aufgrund zu geringer Flughöhe. Alle sieben Insassen der Alouette 3 überlebten, praktisch ohne Verletzungen. Sie konnten sogar noch mehrere hundert Höhenmeter über extrem steile Hänge bei höchster Lawinengefahr sicher nach Gries absteigen.

Eine Urlauberin des Gasthof Alpenrose, die im Hubschrauber saß und aus St. Sigmund ausgeflogen werden sollte, scherzte: „Den Lawinenabgang habe ich überlebt, den Hubschrauberabsturz auch, den Abstieg bei höchster Lawinengefahr auch – aber meine Antibabypille habe ich jetzt im Hubschrauber vergessen.“

Die Alouette lag dann relativ lange auf ihrer Absturzstelle und wurde von einheimischen Kindern zum Spielen verwendet. Erst einige Jahre später wurde das Wrack geborgen.

Ein Zeitungsbericht vom Feber 1970 zum Lawinenunglück von Peida.

 

The struggle was real: Schadenbringende Lawinen im Siedlungsbereich – kaum mehr denkbar aber niemals vollständig auszuschließen

Durch die zunehmenden Verbauungsmaßnahmen zum Schutz von Siedlungen sind Lawinen auf Häuser im Sellraintal mitterweile relativ unwahrscheinlich geworden. Ausgeschlossen werden können sie vor allem bei Extrem-Lawinensituationen wie 1999 nicht vollends. Inzwischen arbeiten wir in den örtlichen Lawinenkommissionen auf einem sehr hohen Niveau. Auch die Schnee-Lawinenkunde hat sich in den letzten Jahren nochmals deutlich weiterentwickelt, die Lawinenvorhersagen wurden viel besser und die Ausbildung der Entscheidungsträger ebenso. Damit sind Todesopfer durch Lawinen im Siedlungsbereich inzwischen fast ausgeschlossen. Sachbeschädigungen können und werden weiterhin vorkommen und in Jahrhundert-Lawinensituationen ist die vollständige Zerstörung einzelner, sehr exponierter Häuser nicht auszuschließen. Diese sind bei gewissenhafter Arbeit der Entscheidungsträger vorher immer bereits evakuiert.

Was bleibt, sind Lawinen auf gesperrte Straßen – und vor allem Lawinen im Wintersportbereich. Dazu mehr im zweiten Teil…

Lawinen auf die Sellraintalstraße im Bereich der Zirmbachalm. Aufgenommen im Zuge eines Erkundungsfluges während der prekären Lawinensituation am 24.01.2018
Lawinen auf die Sellraintalstraße. Aufgenommen im Zuge eines Erkundungsfluges während der prekären Lawinensituation vom Jänner 2018
Bereits vor den stärksten Neuschneefällen ging am 04.01.2018 eine Lawine im Bereich des Lackentals in der Nähe der Zirmbachalm auf die Straße ab.

Hier noch ein paar Gefahrenzonenpläne aus dem Sellraintal

Gefahrenzonen rot (WR = Wildbach rot, LR = Lawine rot | heute Verbot von Neubauten) und gelb (WG = Wildbach gelb, LG = Lawine gelb | Neubauten nur unter strengen Sicherheits-Bauvorschriften,) sowie die Einzugsgebiete der Lawinen.

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