Gewusst wie: Rückmeldungen an die Lawinenwarndienste Lawinenwarnung ist ein Gemeinschaftsprojekt

Gewusst wie: Rückmeldungen an die Lawinenwarndienste Lawinenwarnung ist ein Gemeinschaftsprojekt

Lesezeit: 6 min
Rückmeldungen an die Lawinenwarndienste sind wichtig
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Lawinenprognosen sind niemals perfekt.  Gewisse Schnee-Phänomene die sich sehr kurzfristig ausbilden oder die nicht mit Wetterberichten oder Wetterstationen erfassbar sind, sind oft schwer nach Örtlichkeit einzugrenzen und in den Produkten der Lawinenwarndienste oft erst (zu) spät erfassbar und publizierbar.
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Darum sind qualitativ hochwertige Rückmeldungen an die LWDs wichtig – auch von uns Wintersportlern.
Ihr könnt Rückmeldungen telefonisch oder per Email (Tirol z.B. unter lawine@tirol.gv.at) an die LWDs weitergeben.
Eine qualitativ hochwertige Meldung schaut wie folgt aus:

Gemeldet wird AUSSCHLIESSLICH…

  •  Sichtung von Lawinen aller Art mit Örtlichkeit, Höhenlage, Exposition des Hanges, ggf. Breite, Länge, Anrissmächtigkeit
  • Setzungsgeräusche, Rissbildungen (mit Örtlichkeit, Höhenlage, Exposition) Hintergrundwissen: Denn in solchen Bereichen sind dann Schwachschichten vorhanden und man kann diese Info in das Mosaik der Schwachschichtverbreitung einordnen
  • Sichtung von Oberflächenreif mit Örtlichkeit, Höhenlage, Exposition. Hintergrundwissen: Oberflächenreif ist die „Königin der Schwachschichten“ sobald er eingeschneit ist. Seine Bildung ist oft örtlich sehr begrenzt und kann praktisch kaum vom Büro aus mit Daten eingeschätzt werden.
  • Regengrenze/Schneefallgrenze bei Regenereignissen im Winter. Aber nur wenn diese über 2000 m steigt – wieder mit der Örtlichkeit. Hintergrundwissen: Die Regengrenze schwankt im Winter oft sehr stark auf engem Raum, zwischen einzelnen Tälern. Im Bereich von Regenkrusten innerhalb der Schneedecke bilden sich in weiterer Folge häufig Schwachschichten aus. Wenn die Lawinenwarner wissen, wo es wie weit hinauf geregnet hat, können sie im Falle einer Schwachschichtbildung rund um eine Regenkruste auch in einzelnen Gebieten abschätzen, wie weit sich die Schwachschicht nach oben hin ausbilden konnte.
  • Graupel – mit Örtlichkeit. Hintergrundwissen: Graupel bildet eine markante Schwachschicht und tritt lokal oft sehr begrenzt auf und ist ebenfalls mit keinem Wettermodell und keinen Wetterstationen erfassbar. (Konvektive, gewitterzellenartige Niederschläge bei Fronten oder im Frühjahr)
  • Für die besonders Interessierten und Ausdauernden: ECT-Ergebnisse. Der Extended Column Test (Erweiterter Säulentest) ist der beste Schneedeckentest den man derzeit kennt. Wenn man kein ganzes Profil dazu aufnehmen und eingeben will dann halt nur das Ergebnis (bspw. ECTP21 oder ECTN10) und eine Charakterisierungen der Schwachschicht in der sich der Bruch gebildet hat (Große Kristalle? Glasige oder matt-weiße Kristalle? Oder Neuschnee als Schwachschicht? Wichtig wie immer: Örtlichkeit, Höhenlage & Expositon angeben
Warum ist Örtlichkeit, Höhenlage und Exposition so wichtig?
Schwachschichten gibt es praktisch nie vom Talboden bis auf die höchsten Gipfel in allen Hangausrichtungen. Diese prägen sich meist nur in Schattenhängen oder Sonnenhängen in gewissen Höhenbereichen aus. Also bspw. in NW-N-NO-Hängen zwischen 2200 und 2800m.
An den Expositions- und Höhenangaben werden dann auch die Gefahrenstufen und die Warntexte ausgelegt.
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Beispiel

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Zischgeles, Stubaier Alpen, 01.01.2030
Ein frisches Schneebrett auf ca. 2550 m in einem Nordosthang.
Größe: Grob geschätzt 50 m breit und 150 m lang. Anrissmächtigkeit: 20 cm bis knapp 1 m.
Auslösung durch einzelnen Skifahrer.
Außerdem Oberflächenreif in schattigen Bereichen zwischen ca. 1900 m und 2500 m.
  • Fotos, wenn vorhanden
  • Videos, wenn vorhanden
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Nicht melden braucht man
  • Wetterverlauf
  • Neuschneemenge
  • Temperatur
  • Wind
Diese „Daten“ kann man perfekt über das extrem dichte Netz an Messstationen in der Warnzentrale im Büro erfassen. Damit bringen sie heute als Rückmeldung keinen Mehrwert mehr.

Im Falle eines eigenen Lawinenunfalls nach dem Lawinenunfallmanagement:

Habt keinen Scham wenn ihr selbst in einen Lawinenunfall verwickelt seid. Wenn alles gut ausgegangen ist und mit 100%iger Sicherheit niemand mehr verschüttet ist, dann gibt es eine klare Vorgehensweise:
  1. Anruf bei der Leitstelle / Alpin-Notruf um klarzustellen dass keine Hilfe (mehr) erforderlich ist und somit kein Beobachter des Unfalls der ebenfalls den Notruf wählt, einen ungewollten Hilfseinsatz auslöst
  2. Das Gelände möglichst in sicheren Bereichen verlassen
  3. Zuhause: Rückmeldung an den LWD mit Details zur Lawine (Örtlichkeit, Höhenlage, Exposition️, Lawinengröße, Anrissmächtigkeit)
  4. Keine Angst wenn man gewisse Dinge nicht einschätzen oder nicht genau angeben kann oder auch mal eine falsche Info dabei sein sollte. Alles nach bestem Wissen und Gewissen. Übrigens: Niemand reißt euch den Kopf ab – im Gegenteil, jeder ist froh um Infos. 

Schluss-Plädoyer

Wir erhalten von den Lawinenprognostikern viele tolle Produkte und können mit unserer Rückmeldung von unserem Freeridetag oder unserer Skitour die Warnprodukte für die kommenden Tage ebenso verbessern.
Denn Lawinenwarnung ist keine One-Man-Show eines Prognostikers in einer Warnzentrale. Es ist auch ein Gemeinschaftsprojekt! Helft mit, das Bild der Gefahrensituation noch schärfer werden zu lassen – mit eurem Mosaikstein einer hochwertigen Rückmeldung könnt ihr dazu beitragen.

 

 

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