SchneeGestöber | Lineares Denken führt zu Scheinlösungen

SchneeGestöber | Lineares Denken führt zu Scheinlösungen

Lesezeit: 22 min

Das folgende SchneeGestöber habe ich bereits im Frühjahr 2018 geschrieben. Da es aber ein nach wie vor aktuelles Problem behandelt, publiziere ich es noch einmal.

In Sachen Schnee gibt und gab es verschiedene Strömungen. Alle haben Fortschritte mit sich gebracht und sind in neue Strömungen übergegangen. Mittlerweile ist eine davon seit Jahren in den eigenen Zahnrädern festgefahren. Ein Plädoyer, aus dieser heraus endlich einen gemeinsamen Weg einzuschlagen. 

Jeder Zeit ihre Strömung, jeder Strömung ihr Fortschritt

Wie in der Wissenschaft und in der Kunst, gibt und gab es verschiedene Epochen und Strömungen auch in Bezug auf Schnee und wie Menschen mit ihm umgehen – auch das ist schließlich je nach Blickwinkel Wissenschaft und/oder Kunst. Teilweise existieren die Strömungen nebeneinander, teilweise gehen sie ineinander über. Jede einzelne hat Verbesserungen mit sich gebracht – beim Schnee am meisten das Aufkommen der wahrscheinlichkeitsbasierten Entscheidungsstrategien in den 1990ern. Seit 20 Jahren scheint diese Strömung aber festgefahren zu sein: Das gleiche System erfindet sich seitdem immer wieder von selbst neu – ohne grundlegende Änderungen, zielt am Menschen selbst vorbei und verbessert die Entscheidungsqualität im Gelände nicht mehr weiter. Doch schauen wir uns die Geschichte der Lawinenprävention dazu kurz genauer an…

Die Antike der Schnee- & Lawinenkunde | Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Als Skipionier Mathias Zdarsky im Jahr 1916 zum ersten Mal in Bezug auf die Schneedecke die Sublimation beschrieb, ahnte er sicher nicht, dass er den Grundstein für die Anwendung einer Wissenschaft legte, die heute Millionen von schneebegeisterten Brettlrutschern andauernd beeinflusst. Spätestens als Welzenbach und Paulcke um 1930 den Schwimmschnee und seine Zusammenhänge für die Aktivität im winterlichen Gebirge genauer unter die Lupe nahmen, wurde Wissen um die aufbauende Umwandlung, also die Bildung von Schwachschichten, salonfähig und konnte erstmals für die Praxis im Gelände umgesetzt werden. Man verstand grundlegend, was sich im Schnee tut und wofür man dieses Wissen anwenden konnte.

Das Mittelalter | Die Zeit vor Munter

Bis in die 1990er Jahre hat sich an der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnisse nur wenig geändert, obwohl sich das physikalische Verständnis von Schnee und Lawinen kontinuierlich verbessert hat. Das System war träge, wenig innovativ und klammerte sich vor allem an das repräsentative Schneeprofil zur Einzelhangbeurteilung. Keine erfreuliche Entwicklung, wie man später feststellte. Doch das Mittelalter wurde Gott sei Dank auch irgendwann abgelöst.

Jenseits von „Munter“?

Die Romantik | Revolution durch Munter & die Jahre danach

Ähnlich wie durch die Französische Revolution änderte sich in Europa exakt 200 Jahre später das gesamte System. Allerdings nicht in Hinblick auf die politischen Verhältnisse, sondern in Hinblick auf die Schnee- und Lawinenkunde. Die Sehnsucht ist der zentrale Teil der Romantik, der vorherrschenden Kunstepoche während der Französischen Revolution. Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen in einer komplexen Welt ist Teil der Romantik der Schnee- und Lawinenkunde – ausgehend von der genialen Arbeit von Werner Munter in den späten 1990er Jahren. Mit einfachsten Faustregeln und einfachen Rechnungen das eigene Risiko markant senken, ohne viel komplexe Analytik. Bahnbrechend und goldrichtig. Lange stand Munter im Zeichen des Kampfes um seine Erkenntnisse, bald schienen sie sich jedoch, zumindest wenn man die Fachliteratur durchblättert, durchgesetzt zu haben. Von 3×3 über Stop or Go, Bierdeckel, SMART, professioneller Reduktionsmethode, Snowcard, grafischer Reduktionsmethode, GKMR, Lawinen-Mantra – halb Europa spricht nur mehr von eigenartigen Abkürzungen.

Inzwischen wissen wir: Die Revolution war definitiv eine Revolution, eine längst überfällige sogar. Die Verwendung in der tagtäglichen Praxis war und ist dennoch ein Schein, eine Wunschvorstellung geblieben. Die Psychologie des Menschen macht uns seit dem Aufkommen der probabilistisch (das heißt „auf Wahrscheinlichkeiten“) basierten Entscheidungsstrategien einen Strich durch dieses Wunschdenken. Denn die beste Strategie bringt wenig, wenn sie im Gelände nicht weitgreifende Anwendung findet.

So beschreiben es Jan Mersch und Pauli Trenkwalder im Bergundsteigen bereits 2007: „Betrachtet man das Wissen über die gängigen Strategien und deren Anwendung auf Tour, so fällt auf, dass die strategische Lawinenkunde nur bedingt bekannt ist und nur teilweise angewandt wird. Schon bei der Tourenplanung kommt die 3×3-Methode nur bei 13 % zur Anwendung. Die Tourenplanung mit Reduktionsmethode, Stop or Go und SnowCard wird selten herangezogen […] Der Verdacht drängt sich auf, dass Tourengeher zu einem großen Teil prinzipiell nicht daran interessiert sind, sich intensiver mit dem Risiko, von einer Lawine verschüttet zu werden auseinanderzusetzen. Die meisten untersuchten Skitourengeher verlassen sich hingegen bei ihrer lawinenkundlichen Beurteilung auf „vorhandene Spuren“ und das unklare Konzept der Intuition.“

2017, also exakt zehn Jahre später, wird im Bergundsteigen wiederum festgehalten: „Probabilistische – also wahrscheinlichkeitsbasierte – Methoden sind Kernbestandteil der aktuellen Konzepte und Empfehlungen zur Abschätzung der Lawinengefahr. Ihre Anwendbarkeit wurde über die Jahre verbessert. Trotzdem werden sie weiterhin wenig angewendet. […] Pointiert ausgedrückt macht sich die SnowCard gut in Aus- und Fortbildungen und auf Faltblättern. In der Praxis aber wird sie (oder auch die anderen Methoden wie „Stop or Go“ oder die grafische Reduktionsmethode – GRM) von vielen Anwendern vergessen und nicht angewandt.“

Und auch die allerneuesten Studien zur Anwendungsrate von Entscheidungsstrategien bringen immer dieselben Ergebnisse: „Still, only a few stated that they actually use the proposed DSSs [decision support systems, Anm.]; most use their own rules.” (Heberling, 2018)

Wir wissen, dass mindestens 80% der Lawinentoten mit der konsequenten Anwendung strategischer Methoden vermeidbar wären. Wären. Denn: Jeder kennt strategische Methoden, kaum jemand verwendet sie also konsequent. Obwohl sich (fast) jeder bewusst ist, wie gut sie funktionieren. In der Psychologie bezeichnet man so etwas als „intention – behaviour gap“.

Deshalb verharren wir nun in der letzten Phase einer inzwischen veralteten Revolution. Dem verkrampften Festklammern an den Entscheidungsstrategien. Das Leitfiguren dieser Phase besteht aus einer Hand voll genialer Köpfe aus dem Schlepptau Munters. Sie stehen an der Spitze der Ausbildungswelt und halten seit Jahren an der Methodenlehre fest. In der Praxis da draußen ändert sich trotzdem fast nichts.

Wir stehen in einer Sackgasse und drehen uns seit 20 Jahren im Kreis.

Der letzte Höhepunkt der eingefahrenen Spirale war die Podiumsdiskussion „Beurteilung der lokalen Lawinengefahr – Auf der Suche nach dem Königsweg der Entscheidungsfindung“ bei der Alpinmesse 2017 in Innsbruck. Jeder der namhaften Vertreter auf der Bühne hielt an seinem individuellen Herangehensweise fest, mit oder ohne vorgegebener Strategie die Lawinengefahr zu beurteilen. Die Diskussion ging in die persönliche Ebene und am Ende wusste das Publikum gleich viel wie vorher. Somit ist genau das eingetreten, was Martin Schwiersch im Jahr 2008, ebenfalls im Bergundsteigen, prognostiziert hat: „In der Psychologie waren die Grabenkämpfe [zwischen verschiedenen Strömungen, Anm.] bitter, persönlich und unversöhnlich, in der Lawinenkunde könnte es ähnlich kommen.“

Doch bleiben wir bei der Sache. In der Schule wäre das Äquivalent zu unserer derzeitigen Situation ein „monologisierenden Lehrer“: Er steht vorne und lehrt, die Schüler hören zu – hängen bleibt wenig bis gar nichts. Zwischen Lehre und täglicher Praxis im Gelände hat sich eine Diskrepanz entwickelt – eine große sogar.

Jeder Zeit ihre Strömung, jeder Strömung ihr Fortschritt, jeder Strömung ihr Ende

Vor einigen Jahren, bei einer anderen Diskussion auf der Alpinmesse, traute der Schneestöberer seinen eigenen Ohren nicht als aus dem Publikum ertönte: „Jetzt müssen wir das ausbaden, was Munter verbrochen hat!“. Jede Strömung weist ihre individuellen positiven und negativen Effekten auf. Bezüglich Schnee und Lawinen war Werner Munter der größte Revolutionär. Er wurde zuerst belächelt, dann bekämpft und wird heute bewundert. Was Munter und seine Gefolgschaft uns allen geschenkt hat, war überwältigend und wird seine Richtigkeit bis in alle Ewigkeit behalten. Das damalige Ziel – nämlich die Halbierung der Lawinentoten – ist im Verhältnis zur Zunahme der Personen die im freien Gelände unterwegs sind sogar übertroffen worden!

Allerdings wurde das nur indirekt durch die strategischen Methoden erreicht sondern viel mehr durch die allgemeine Entwicklung, die das System durch diesen Anstoß vollzogen hat. Ein kleiner Negativeffekt der probabilistischen Strategien war übrigens die verstärkte, weitere Fixierung der Anwender einzig und allein auf die Gefahrenstufe und die inzwischen weitverbreitete Fehlinterpretation der Probabilistik dass bei Gefahrenstufe 2 unter 40°, bei Stufe 3 unter 35° und bei Stufe 4 unter 30° keine Lawinen mehr abgehen können.

Jetzt herrscht allerdings völliger Stillstand. Wir müssen wieder zusammen nach vorne blicken und an einem Strang ziehen, der sich am Menschen selbst orientiert.

Eine verkannte Renaissance der Analytik | Das demonstrative Schneeprofil als Teil der „Tiroler Schule“

Das Wissen über Lawinen hat sich seit den 1990ern weiter stark verbessert.

Wir können erst seit ein paar Jahren seitens der Lawinenwarndienste Altschneeprobleme und damit einzelne Schwachschichten relativ gut eingrenzen, also gewissen Höhenlagen und Expositionen zuordnen.

Und andere Lawinenprobleme ebenfalls wesentlich viel besser zeitlich und örtlich zuordnen als das noch vor zwanzig Jahren der Fall war. Wir können die zu erwartenden Lawinengrößen besser abschätzen. Und wir wissen: Am meisten Menschen sterben aufgrund des Altschneeproblems. Das Altschneeproblem kann man im Gelände nicht erkennen und damit eigenständig aufgrund seiner Sinne keine Gefahrenbeurteilung, keine Anpassung der Routenwahl oder ähnliches vornehmen. Aufbauend umgewandelte Schwachschichten sind zudem situationsabhängig und können genau dort auftreten, wo wir sie aus unserer Gewohnheit heraus nicht erwarten und uns Faustregeln in den Tod führen. Also zum Beispiel bei Gefahrenstufe 2 in Südhängen statt der gängigen Annahme dass es sie nur bei Gefahrenstufe 3 in Schattenhängen gäbe.

Eine Gefahr wird maßlos unterschätzt, wenn sie außerhalb unseres Normalitätsverständnisses liegt. Die physikalischen Grundlagen in Sachen Schwachschichtbildung und Lawinenauslösemechanismus liegen leider häufig außerhalb unseres Normalitätsverständnisses.

Inzwischen gibt es, um dem Abhilfe zu schaffen, eine neue Entwicklung: Als 2006 der ECT (Extended Column Test, der derzeit meist durchgeführte Schneedeckentest weltweit) von Birkeland und Simenhois entwickelt wurde, 2007 der von Gauthier präsentierte PST (Propagation Saw Test, toller Test zur Demonstration der Bruchausbreitung) und schließlich 2008 die Lawinenprobleme (Neuschnee, Triebschnee, Altschnee, Nassschnee, Gleitschnee) Einzug hielten, ahnte noch niemand, dass eine neue Zeit anbricht. Jeder einzelne von uns kann damit die physikalischen Hintergründe einer Lawine verstehen lernen, und damit mit allen Lawinenproblemen besser umgehen. Mit einfach anwendbaren, und vor allem schnell durchführbaren, Tests kann man inzwischen ein tiefes Verständnis für die Schneedecke entwickeln, welches vor wenigen Jahren schwierig zu erlangen war. Unser Normalitätsverständis kann man damit mit der ursprünglich komplexen Schneephysik ganz einfach in Einklang bringen.

Im deutschsprachigen Raum hat sich daraus eine Strömung formiert, die wir forthin als Tiroler Schule bezeichnen können: Äquivalent zur bereits stattgefundenen Entwicklung in Amerika wird hier ein konsistentes Ausbildungssystem zum zentralen Inhalt. Ein hastiges Schneeprofil, das Hasty Pit, mit grobem Blick in die Schneedecke wird zu einer Standardmaßnahme – wie eine gelegentliche LVS-Übung. Ohne detaillierte Schichtaufnahme aber vor allem mit einem Stabilitätstest, der die Bruchausbreitung zeigen kann. Denn:

Wir können im Hinblick auf Lawinen vieles hundert tausend Mal betonen – der Anwender wird sich dessen erst bewusst, wenn er selbst spürt was unter seinen Füßen passiert.

Der Mensch braucht im Leben für alles Übung, Theorie alleine nützt wenig bis gar nichts. Mit Lawinen Erfahrungen zu sammeln ist aber lebensgefährlich und demnach nicht praktikabel.

Ergebnisse wie ECTP2, ECTP5, ECTP7 vs. ECTN25, ECTN30, ECT31 selbst zu erzeugen, sie mit eigenen Augen zu sehen – genau das ist unsere Übungsmöglichkeit mit Lawinen. Das Auslösen „winziger Lawinen“ bei einem ECT mit Bruchausbreitung, oder eben das Nicht-Erzeugen von „Lawinen“ bei einem ECT ohne Bruchausbreitung ersetzt unser Erfahrungswissen im Hinblick auf eine tatsächliche Lawinenauslösung. Gleichzeitig können wir mit jedem dieser demonstrativen Schneeprofile das Lawinenbulletin, den Lawinenlagebericht oder die Lawinenprognose ein wenig besser nachvollziehen und die darin transportierte Beschreibung der Situation für unsere Tourenplanung richtig umsetzen lernen. So setzt man am derzeit wichtigsten Punkt an: Prävention von Lawinenunfällen durch autodidaktisches Lernen und dem daraus entstehenden Verständnis. Und zwar nicht mit dem Ergebnis des einzelnen Profils bzw. Stabilitätstests! Sondern durch Erfahrungswerte, mit denen Wissensfetzen konsolidiert und damit in der Praxis anwendbar werden. Lernen anhand von Erfahrungswerten in der „Schneebrettauslösung“ alias Stabilitätstestergebnisse und Verständnis via demonstrativer Schneeprofile – die ganz anders als die bekannten, zurecht verteufelten, wissenschaftlich angehauchten Profile sind – für die Informationen der Lawinenwarner zu entwickeln, ist derzeit der wichtigste Fortschritt um weiterhin die Zahl der Todesopfer zu reduzieren – jenem Ziel, das uns alle verbindet, egal aus welcher Strömung wir kommen.

Das Schneeprofil hat sich somit in den letzten 30 Jahren vom repräsentativen Profil über das verteufelte und vergessene Schneeprofil zum demonstrativen Schneeprofil entwickelt.

„Demonstrativ“ heißt „zum Vorzeigen, zum Verstehen, zum Nachvollziehen können“. Damit ist es eines der wichtigsten Instrumente, um mit Lawinen umgehen zu lernen. Das demonstrative Schneeprofil ist zwar eine Renaissance des Schneeprofils, hat aber mit dem repräsentativen Schneeprofil von früher, anhand dessen einzelne Hänge beurteilt wurden, nichts zu tun – gar nichts!

Schneeprofile: Verständnis entwickeln statt Einzelhänge beurteilen!

Divergentes Denken

Um das gesamte System weiter entwickeln zu können, brauchen wir also eine andere Lösung. Die beschriebene, neueste Strömung ist nur ein Teil davon. Wir müssen die Erkenntnisse aus der momentanen Sackgasse mitnehmen, ein paar Schritte zurückgehen, uns distanzieren und mit dem gesammelten Wissen und der gesammelten Erfahrung die Straßen links und rechts davon probieren. Wohin diese führen, wissen wir im Vorhinein nie. Sie gehen allerdings wieder zumindest ein Stück weiter als die Gasse, in der wir momentan festsitzen.

Der Realismus | Ein neuer Weg

Ich finde, den Königsweg der Entscheidungsfindung gibt es solange nicht, bis wir ein Tool entwickeln, das uns keine Einschätzung sondern ein klares „Ja, du wirst in diesem Hang eine Lawine auslösen“ bringt. Für mich existiert hingegen ein momentaner, ebenfalls zeitlich begrenzter Goldener Mittelweg für unser gesamtes System, nicht aber für die Entscheidungsfindung unterwegs.

Dieser zielt auf den Aufbau von Verständnis für Schnee und Lawinen ab. Und darauf, Wintersportler möglichst gut zu informieren und sie von der angewandten Lawinenkunde zu begeistern. Damit sich möglichst viele davon zumindest grundlegend mit komplexen Zusammenhängen beschäftigen und diese auch für sich nutzbar machen können – also in ihre Tourenplanung und unterwegs in ihre Beurteilung einfließen lassen können. Diese Begeisterung gilt es zu entfachen und mit didaktischen Grundprinzipien zu halten.

Die beschriebene Tiroler Schule, in der auch der Schneestöberer beheimatet ist, stellt nur einen kleinen Teilbereich dieses Systems dar. Aber auch die strategischen Methoden nehmen wir mit, für Anfänger vollständig, für Fortgeschrittene und Profis lediglich in Hinblick auf die daraus entstandenen Standardmaßnahmen.

Die zentrale Frage lautet somit nicht „Analytisch, probabilistisch, intuitiv?“

Die Entscheidung wird wie gehabt weiterhin von jedem Anwender aus allen drei gebildet werden: mit Schwerpunkt von der jeweiligen Persönlichkeit abhängig. Und zwar meist aus dem Unbewussten heraus: Der automatische Verzicht auf Steilheit bei höherer Gefahr ist das beste Beispiel für das unbewusste Anwenden von Probabilistik. Der Anteil an bewussten Zusatzüberlegungen variiert nach Individuum. Doch alles was gelernt und verstanden wurde, verankert und eingeordnet ist, wird vom Bewussten wie auch vom Unbewussten schlussendlich eingesetzt!

Dafür müssen wir endlich von der linearen Denkweise – nämlich der Heroisierung der Strategien auf Ausbildungsebene – abweichen und ein einheitliches System aus dem Dschungel der Entscheidungsstrategien erschaffen. Denn wir wissen: Dieser Dschungel wird vor allem in der Theorie betreten, nicht aber dort draußen, wo die Entscheidungen gefragt sind. Mit „einheitliches System“ meine ich nicht eine gemeinsame oder neue Strategie sondern ein erweiterbares, klar strukturiertes, aufeinander aufbauendes Ausbildungssystem, das um den Menschen herum gebaut wird – nicht umgekehrt, wie bisher.

Denn lineares Denken führt zu Scheinlösungen.

 

Und für alle Probabilistik-Fans: Die Revolution der relativ strikten Verknüpfung von Hangneigung und Gefahrenstufe wird kommen und von der Masse der Wintersportler weitgreifende Anwendung finden. Durch die Digitalisierung und Automatisierung – ganz von selbst.

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