6.2.2016, Dies und das zum Altschneeproblem

 

Altschneeprobleme sind für fast jeden „normalen“ Wintersportler unterwegs praktisch nicht zu erkennen. Gefahrenstufe 3 – Situationen mit anderen Lawinenproblemen (Triebschnee, Nassschnee) sind einfach anders! Man sieht Triebschnee mit etwas Erfahrung und weicht ihm aus, man spürt, dass man durch den Harschdeckel bricht und drunter nur Sulz ist. Altschneeprobleme sieht man nicht, man spürt ihn selten. Was man als Normalverbraucher nicht sieht oder spürt, kann einen trotzdem umbringen. Reine ERFAHRUNG ohne angeeignetem WISSEN (LESEN – VERSTEHEN – LESEN – VERSTEHEN – LESEN – LESEN!) bringt in einer solchen Situation fast nichts!

Zum Anfangen bestens geeignet: Der Lawinenlagebericht – eine unverstandene Liebe?

Lies das!

Lies das!

Lies es!

Der Lawinenlagebericht – eine unverstandene Liebe?

Wenn im LLB steht „oberhalb 2300m in schattigen Bereichen: Altschneeproblem“, dann gehe ich oberhalb von 2300m mit wenig WISSEN (evtl. aber trotzdem mit viel ERFAHRUNG) in KEINEN Steilhang (>30°) in den Expositionen von West über Nord bis Ost.  Die Definition von „viel Wissen“: Dauernde, intensive Beschäftigung mit dem Thema. Ein Kurs ist zu wenig, ein Kurs beim Alpenverein ist zu wenig, ein Buch lesen ist zu wenig, zwei Bücher lesen ist zu wenig, die Bergrettungsausbildung ist zu wenig, die Bergführerausbildung allein ist genauso zu wenig.

Es nützt nur persönlich ambitionierte, intensive, reflexive, selbstkritische, regelmäßige Beschäfigung mit der Thematik!

Ein Bergführer lernt in seiner Ausbildung einmal die ganzen Basics und noch etwas mehr als in einem Standardkurs. Wenn er sich nicht selbst damit beschäftigt, weiß er nach kurzer Zeit kaum mehr, als jemand mit einem Alpenvereinskurs.


Für die Mitleser aus fernen Gefilden:

Tiroler Tageszeitung: 17 Personen wurden von einer enormen Lawine in der Wattentaler Lizum verschüttet. 5 Tote.

Tirol Heute Beitrag. Nur eine Woche abrufbar.


Heute gab es bei der Lampsenspitze massive, mehrsekündige Setzungsgeräusche („Donnergrollen“) mit starkem Absenken der Schneedecke unter den eigenen Füßen – abseits der Standardroute. Viele Rissbildungen und Fernauslösungen – abseits der Standardroute.

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Altschneeproblem in diesem Hang bereits durch einer vor einiger Zeit abgegangenen Lawine beseitigt:

Altschneeproblem in diesem Hang bereits durch vor einiger Zeit abgegangener Lawine beseitigt

Samerschlag, Pforzheimer Hütte. Spontane Lawinen vom 5.2., Gesamtbreite 1,2km, Höhenunterschied bis 400m. Foto hier in höherer Auflösung.

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Rosskarscharte und Sonnenwände. Spontane Lawinen vom 5.2. Anrissmächtigkeit ganz links wohl jenseits der zwei Meter:

Rosskarscharte und Sonnenwände. Spontane Lawinen vom 5.2.

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spontane Lawine vom 5.2.
spontane Lawine vom 5.2.
Fernauslösung
Fernauslösung
Rissbildungen und Setzer in regelmäßig befahrenen Hängen.
Rissbildungen und Setzer in regelmäßig befahrenen Hängen.
Profilstandort vom 2.2. Würdest du bei einem ECTP15 alle Hänge drumherum befahren?
Profilstandort vom 2.2. Würdest du bei einem ECTP15 alle Hänge drumherum befahren?

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Vordere Karlesspitze, gut ausgegangene Unfalllawine vom 6.2. In hoher Auflösung hier.

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Anriss Karlesspitze.
Anriss Karlesspitze.

 

Es geht nicht darum, mit dem erhobenen Zeigefinger zu zeigen. Einwühlen kann es jeden, der unterwegs ist. Beschäftigt euch intensiv mit dem, was ihr macht. Egal ob Tennisspielen oder Wintersport im freien Gelände. Think like an avalanche!


Vom 2.2. Lampsen:

Regen gab es vom 31.1. auf 1.2. bis ziemlich genau 2400m.

Von 2400m bis 2150m fand man feinsten Bruchharsch. Unterhalb von 2150m gab es keinen Harschdeckel mehr, es war sulzig bis zum Boden. Die Vermutungen zur Harschdeckelbildung vom letzten Mai bestätigen sich immer wieder. lampsenspitze - Kopie

Eine lange Geschichte. Wär interessant, wo wir heute damit wären.
Eine lange Geschichte. Wär interessant, wo wir heute damit wären.
Analogien zu den Menschen. Einige Sekunden darauf wurde Olli gebissen und vertrieben.
Analogien zu den Menschen. Einige Sekunden darauf wurde Olli gebissen und vertrieben.
Ende März?
Ende März?

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2 Gedanken zu “6.2.2016, Dies und das zum Altschneeproblem

  1. Morgen Lukas!
    Danke wieder mal für deinen „Bericht“. Taugt ma immer wieder da rein zu lesen…Es geht nicht darum noch mehr Info auf irgendwelchen Portalen zur Verfügung zu stellen denn die meisten können damit eh nichts anfangen. Viel mehr geht es darum den LLB zu lesen und das nicht nur an dem Tag an dem man auf Tour geht dann bekommt man meiner Meinung nach schon etwas Gespür dafür. Und wenn man nicht fähig ist eine Karte zu lesen bzw. gibt es eh schon Hangneigungskarten, dann soll man lieber auf der Piste bleiben! Für jeden „Scheiss“ hat man Zeit bzw. nimmt sich auch die Zeit warum dann nicht für solche Dinge wie Interpretation eines LLB wo es um sein eigenes Leben im Endeffekt geht. Man sollte sich selber auch besser einschätzen können aber Selbstüberschätzung ist eben ein Phänomen in unserer Gesellschaft, jeder muß noch cooler noch schneller noch höher gehen und jeder muss noch den besseren Schnee finden…Vielleicht mal sich selber hinterfragen…

  2. Bruce Tremper viele Americanischen Kollegen empfehlen eine Vorabbestimming von no-go Zonen. Egal was man meint zu wissen oder was man meint zu sehen unterwegs. Ich persönlich verhalte mich so- was für mich heißt dass da wo der lawinenwarndienst Problemzonen vorhersagt – gehe ich auf keinen Fall hin.
    Um dieser Methode einfacher zu machen, suche ich mir jedes Jahr schon im Sommer Touren aus die ich gerne machen würde, und achte darauf dass ich viele verschiedene Höhen, Ausrichtungen und Regionen in meiner Liste habe. Meine Touren suche ich dann im Winter aus basiert auf diese Informationen. Kein tour „im schwarzen“ wird angegangen.
    Es ist einfach – und es gibt mir das Gefühl dass ich trotzdem meine „Ziele“ erreiche. Was mich wündert ist dass die Online-Portalen die heute so populär sind eine solche such-Funktion nicht zur Verfügung stellen.
    Trotz allen Problemen dieses Jahr habe ich dass Gefühl dass die meisten immer besser werden. Viele Lines die in der Vergangenheit IMMER befahren würden, egal was, sind dieses Jahr frei von Spuren.

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