7.6.2014, Piz Palü, 3900m + Piz Bernina, 4048m

Mit Richard ging’s früh von daheim weg. Um viertl nach Fünf sind wir in Morteratsch mit den Radln recht flach hinein bis unter die Gletscherzunge. Nach kurzem Fußmarsch konnten wir die Ski kurz nach Gletscherbeginn anziehen und sind über eine buckelige, gefrorene Sommerfirnoberfläche, übersät mit Massen von kleinen, schwarzen Gletscherflöhen auf den Persgletscher. Von dort ging’s zügig, zuerst ziemlich flach, auf den Piz Palü – wirklich eine der schönsten Berggestalten der Alpen. Ab etwa 3500m hab ich ziemlich „Milch gegeben“ und hab mit dem Tempo zurückgesteckt, da waren Tattns Worte „tua di in der Heachn ja nit iberunstrengen“ irgendwo im Hinterkopf. Es ging trotzdem gut voran und wir waren bald bei besten Bedingungen und absoluter Windstille am Piz Palü. Nach kurzer Rast ging’s weiter auf ziemlich hartem Schnee abrutschend über den Westgrat und die recht steile Südwestflanke auf italienisches Staatsgebiet und über die Bellavista Scharte auf die Bellavista Terrasse. Dort mussten wir auffellen und die Terrasse in aufgewärmten, ehemals windgepressten Pulver queren. Danach ging’s kurz hinab auf den Bernina Anstieg und hinauf über die Südseite zum Skidepot. Der Gipfelanstieg war dann zahnig und zeitaufwändig, weil der eingeweichte Neuschnee auf hartem Untergrund lag und man sehr aufpassen musste, trotz Steigeisen nicht wegzurutschen. Bei ebenfalls absoluter Windstille, traum Wetter – insgesamt einfach traumhaften Bedingungen sind wir schließlich auf dem einzigen Viertausender der Ostalpen allein oben gehockt.

Bis zum Skidepot hinunter musse man wieder vorsichtig sein. Nach einer kurzen Abfahrt mussten wir nochmal auffellen um einige Minuten wieder aufzusteigen um nicht unten zwischen dem Bruch und großen Spalten herumzusuchen um auf die – von oben gesehen – rechte, „bruchlose“ Seite hinüberzukommen. Zum Glück war Richi schon öfter am Bernina und außerdem waren Spuren vom Piz Zupo vorhanden und so war das ganze kein Problem. Alleine, ohne Vorwissen, könnte bzw. sollte man die Runde eher nicht angehen. Danach gabs eine Abfahrt in super Firn bis der Gletscher flach wird. Von da mussten wir bis zum Schneende anschupfen, kurz bis zu den Radln tragen und zum Schluss sind wir angenehm bis zum Auto zurückgerollt. Dort sind die alten Gletscherstände immer wieder mit Tafeln ausgewiesen, seit 1878 hat sich die Zunge um über 2km zurückgezogen. Eine Leseempfehlung dazu.

Danke Richi für die Einladung und die einzigartige Runde in dieser Kulisse – und nicht zu vergessen für die angenehme Spuranlage und Vorstapferei!

Interessant war auch die Fahrt durch den Engadin, oben breit und flach, unten eng und steil. Ebenso die Tatsache dass das Schmelzwasser ja von der Bernina bei uns in Innsbruck vorbeifließt.

Was ich vor längerer Zeit mal gelesen habe: das Wort „Gletscher“ kommt aus dem Rätoromanischen, bei uns heißt das Ewige Eis nur „Ferner“ und ab den Zillertalern ostwärts „Kees“. Früher hat niemand das Wort „Gletscher“ in den Mund genommen, war unbekannt.

mit Sack und Pack in Kematen um 2:25 Uhr
mit Sack und Pack in Kematen um 2:25 Uhr
erster Blick auf unsere Runde
erster Blick auf unsere Runde
Bernina
Bernina, rechts Biancograt
Bellavista
Bellavista
Bernina
Bernina 2
auf Ski wechseln
auf Ski wechseln
am Persgletscher, im Bild Piz Palü mit seinen drei Pfeilern und vie Hängegletschern
am Persgletscher, im Bild Piz Palü mit seinen drei Pfeilern und vier Hängegletschern
Blick vom Persgletscher zum Piz Bernina
Blick vom Persgletscher zum Piz Bernina
gegen Norden
gegen Norden
Schlussanstieg auf den Piz Palü
Schlussanstieg auf den Piz Palü bei besten Stapfbedingungen
letzte Meter am Weg zum Ostgipfel
letzte Meter am Weg zum Ostgipfel
Palü Hauptgipfel vom Ostgipfel gesehen mit Bernina rechts
Palü Hauptgipfel vom Ostgipfel gesehen mit Bernina rechts
Am Piz Palü
Am Piz Palü

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südwestseitige Abfahrt auf italienisches Staatsgebiet auf den Altipiano die Fellaria Gletscher. Über die Bellavista Scharte rechts sind wir weiter.
südwestseitige Abfahrt auf italienisches Staatsgebiet auf den Altipiano die Fellaria Gletscher. Über die Bellavista Scharte rechts versteckt sind wir weiter.
wir befinden uns inzwischen auf der Bellavista Terrasse. Im Bild der westlichste Hängegletscher des Piz Palü
wir befinden uns inzwischen auf der Bellavista Terrasse. Im Bild der westlichste Hängegletscher des Piz Palü
Blick talauswärts ins Morteratschtal
Blick talauswärts ins Morteratschtal
Klein am Bild die Diavolezza Bergstation
Klein am Bild die Diavolezza Bergstation
auf der Bellavista Terrasse
auf der Bellavista Terrasse
nicht mehr weit zum Piz Bernina
nicht mehr weit zum Piz Bernina

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vom Bernina zum Piz Roseg
vom Bernina zum Piz Roseg. keine dunstige Sicht sondern Saharastaub im Hintergrund. Der Vordergrund ist nur von Neuschnee bedeckt.
Detail Nordostwand. Heini Holzer ist dort beim Versuch der Erstbefahrung abgestürzt. Heute ist sie kaum mehr gscheid fahrbar.
Detail Nordostwand. Heini Holzer ist dort beim Versuch der Erstbefahrung abgestürzt. Heute ist sie nicht mehr gscheid fahrbar.
Bellavista Terrasse
Bellavista Terrasse
vom Bernina gegen Piz Zupo
vom Bernina gegen Piz Zupo
Blick auf den oberen Teil unserer Runde mit Palü und Bellavista Terrasse
Blick auf den oberen Teil unserer Runde mit Palü und Bellavista Terrasse

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Rundum Piz Bernina
Rundum Piz Bernina
Richi beim Abstieg vom Gipfel
Richi beim Abstieg vom Gipfel
der Weg herauf
der Weg herauf

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vom Bernina zum Palü
vom Bernina zum Palü
beim Abstieg am Spallagrat
beim Abstieg am Spallagrat. Irgendwo in der Mitte befindet sich Richi.
Abfahrt
Abfahrt
der Schnee ist wirklich so braun vom Saharastaub
der Schnee war unten wirklich so braun vom Saharastaub
Blick zurück zum Bernina
Blick zurück zum Bernina
Traum Firn am Übergang von Neuschneeauflage zu Saharastaubauflage
Traum Firn am Übergang von Neuschneeauflage zu Saharastaubauflage

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am unteren, flachen Teil des Gletschers hinausschieben
am unteren, flachen Teil des Gletschers hinausschieben
Bruch
Bruch
Auf den letzten Schneeflecken
Auf den letzten Schneeflecken
Blick zurück, richtiger Sommerfirn inklusive seiner charakteristischen Oberflächenstruktur
Blick zurück, richtiger Sommerfirn inklusive seiner charakteristischen Oberflächenstruktur
ein paar Minuten zum Radl zurücktragen
ein paar Minuten zum Radl zurücktragen. schaut nur länger aus.
gemütliches zurückrollen zum Auto
gemütliches zurückrollen zum Auto

 

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4 Gedanken zu “7.6.2014, Piz Palü, 3900m + Piz Bernina, 4048m

  1. haha, und ich hab mir wirklich noch gedacht – wahsrcheinlich macht er den Palü auch gleich mit. abfahrt mit ski vom spallagrat nicht mehr lohnend?

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