Sellrainer Berge Inside 13: bekannte Gleitschneebereiche

Grundlegendes

Schneereiche Winter  sind meist schwachschichtarm, dafür reich an Gleitschnee-Erscheinungen.

Gleitschnee ist nichts anderes wie die Bewegungsform von Gletschereis: Durch das Gleiten (Bewegung der Schneedecke am Boden) tun sich Risse und Spalten auf, diese können aber auch als Lawine abgehen sobald sie sich als gesamte Tafel aus dem Schneegefüge herausgelöst haben und die Reibung schwächer wird als die Schwerkraft.

Wir besprechen hier jene Bereiche an denen man in den Sellrainern häufig Gleitschneelawinen bzw. -risse sieht. Es gibt im Sellrain verhältnismäßig sehr selten Gleitschneelawinen, dies hängt mit der ausgesprochenen Schneearmut und dem eher selten vorhandenen, grasigen Steilgelände zusammen. Wir haben meist eine schwachschichtreiche, geringmächtige Schneedecke die auf einer alpenrosen- und gesteinsblockreichen Bodenoberfläche liegt.

Am Arlberg oder im Außerfern sind Gleitschneelawinen durch diametral unterschiedliche Ausgangsbedingungen übrigens in den meisten Wintern eine riesige Gefahrenquelle: Zum einen durch die hohe Wahrscheinlichkeit einer gerade abgehenden Gleitschneelawine verschüttet zu werden, zum anderen durch den Sturz in die Gleitschneerisse.

Dort kann man in Wintern wie heuer solche Dinge sehen:

Gleitschneeriss vom Arlberg im letzten schneereichen Winter 2012. Entnommen aus dem Blog des LWD Tirol. Auch heuer kann man wieder ähnliches dort beobachten.

 

Heuer ist seit Winterbeginn ein Bereich des Skigebietes am Arlberg vollkommen gesperrt, seit Anfang Dezember. Dies liegt zum einen an der Nicht-Vorhersagbarkeit der Gleitschneelawinen, zum anderen an der wiederum hohen Gefahr von Spaltenstürzen in die Gleitschneerisse. Und Sprengen kann man Gleitschneelawinen nicht, weil man sie nicht auslösen kann. Warum? Siehe in diesem SchneeGestöber!

Bekannte Sellrainer Gleitschneebereiche

 

Südhänge der Schöntalwände

Vor allem im Bereich der sogenannten „Peters Rinne“

Gleitschneeaktivität im Bereich Peters Rinne, Anstieg zum Westfalenhaus
Gleitschneelawine am Hüttenzustieg zum Westfalenhaus im Winter 2018

Osthänge des Oberstkogel

Die Gleitschneezone im Sellrain schlechthin! Betrifft auch Skitourengelände und damit u.U. die Tourenplanung: die alte Route in Richtung Schöntalspitze ist davon gefährdet. Heute verwendet man sowieso die neue Route die im Zuge der Skitourenlenkung erstellt wurde und weiter südlich verläuft… oder?

 

 

frische Gleitschneelawine Ende Jänner an den Osthängen des Oberstkogel

 

 

Osthänge unterhalb des Verbindungsgrates Mitterzeigerkopf – Hochalter

Hier sieht man meist auch in schneearmen Wintern zumindest den größeren Riss am folgenden Foto. Die Risse werden aber selten zu Gleitschneelawinen in diesem Bereich.

Gleitschneerisse an den Osthängen unterhalb des Grats Hochalter-Mitterzeiger

 

 

Osthänge Gaiskogel ins Kraspestal

Osthänge Mutenkogel – Gleirschtal

Man erkennt zwei Gleitschneelawinen und einen Gleitschneeriss am Mutenkogel. Abgegangen vor ca. drei Wochen, inzwischen wieder überschneit.

 

 

Wiesenhänge in Gries

Für’s Tourengehen nicht relevant aber eindrucksvoll wenn man durch das Tal fährt…

In Gries gibt es mehrere Bereiche, an denen Gleitschnee häufig auftritt.

 

Noch interessant

Heuer sieht man durch die ausgesprochen mächtige Schneedecke Gleitschneeaktivität in Bereichen, wo es noch nie bzw. seit Jahrzehnten keine mehr gab: Gleitschneeriss im Schöntal oberhalb des Gaisrückens

 

 

Gleitschnee hat auch Ähnlichkeiten zu sogenannten „Hangexplosionen“ im Sommer
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